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Walter Rathenau und seine Verdienste um Deutschland : Vortrag / von Lujo Brentano
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Rot-Gold vor Verunglimpfung durch Deutsche zu schützen! Nach den deut-scheu Freiheitskriegen waren sie das Symbol der Hoffnung auf die Ein-heit Deutschlands. Als solches hat die deutsche Burschenschaft sieauf der Brust getragen, und als die deutsche Burschenschaft, ebenweil sie die Einheit Deutschlands wollte, von der Reaktion aufgelöstwurde, sang sie bei ihrer letzten Zusammenkunft am 26. November1819 in Jena das ergreifende Binzersche Lied:Wir hatten gebauetein stattliches Haus", dessen 7. Vers klagt:Das Band ist zerschnit-ten, war schwarz, rot und gold." Aber trotzdem diese Worte in derReaktionszeit selbst in den Studentenliederbüchern nicht gedrucktwerden durften, sind diese Farben stets von denen, die das ganzeDeutschland wollten, heilig gehalten worden. Sie waren das Symbolder deutschen Einheitsbestrebungen im Jahre 1848, und als 1866 derKampf um die Hegemonie zwischen Preußen und Deutschlano statt-fand, hat jeder Mann in den den großdeutschen Gedanken vertreten-den süddeutschen Armeen, vom Generalfeldmarschall Prinzen Karlvon Bayern bis zum geringsten Soldaten die schwarz-rot-goldeneBinde am Arme getragen. Was war selbstverständlicher, als daß man,als man zu der Hoffnung auf Wiedervereinigung mit den von unsgetrennten österreichischen Stämmen zurückkehrte, auch auf die Far-ben zugriff, welche die deutsche Einheit während Jahrhunderten sym-bolisiert hatten? Und diese Fahne muß man heute gegen dasSchmähwort Iudenfahne und andere Verunglimpfungen durch Straf-androhungen verteidigen!

Aber noch mehr! Einerseits erklären sich unsere Staatsmännerlaut zu dem Bekenntnis, daß die Republik für eine derzeit unab-sehbare Zeit die allein mögliche Staatsverfassung Deutschlands sei,andererseits nimmt man Anstand, dieser allein möglichen Staats-verfassung zu gewähren, was sie für ihre Erhaltung für unentbehr->lich erklärt.

Vor hundert Zahren. im Jahre 1813. dichtete E.M.Arndt seinLiedWas ist des Deutschen Baterland?" Noch als ich in denSechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts hier in München studier-te, haben wir es oft voll inbrünstigen Hoffens gesungen, daß dasganze Deutschland , das es als Antwort verkündete, uns doch nochwerden sollte. Es ist uns dann, wenn auch uicht ganz so, wie wires damals hofften, geworden, und heute ^ nach dem Zusammen-bruche der österreichischen Monarchie ist trotz Frankreichs Ein-spruch, die Hoffnung, daß, was uns noch fehlt, hinzukomme, näherals je. Und da es gilt, dieses ganze Deutschland , den Traum unsererBesten in vergangenen Jahrhunderten, die Sehnsucht unserer Väter,den Stolz unserer Jugend in seiner Existenz zu sichern, in dem

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