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Walter Rathenau und seine Verdienste um Deutschland : Vortrag / von Lujo Brentano
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Aber dieser war doch das Treibende, was die bloße Tatsache zeigt,daß der Haß sich steigerte, gerade wenn die heute regierenden Staats-männer trotz der Franzosen Erfolge erzielten, weil sie zur Festigungihrer Stellung führten.

Und eben weil er Erfolge erzielt hatte, mußte der Erfolgreichstefallen. Nichts, was Deutschland mehr hätte schädigen können. DasVertrauen in ein Land, dessen Staatsverfassung so wenig gesichert ist,daß die Staatsmänner, die sie verteidigen, Mordanschlägen ausge-setzt sind, ist völlig gewichen. Ein Zeichen ist die eingetretene uner-hörte Entwertung der Reichsmark. Die Aussichten auf eine inter-nationale Anleihe, die allein unsere Volkswirtschaft retten könnte,sind derzeit gleich Null. Wenn das Moratorium, von dem die Zei-tungen heute reden, nicht zustandekommt, ist, was uns droht, derBankerott, darauf soziale Revolution und Wiederherstellung derOrdnung durch unsere Feinde in einer Weise, die das Ende Deutsch-lands bedeutet.

Da es so nicht weitergehen kann, haben Regierung und Reichs-tag ein Gesetz, das den Schutz der revublikannischcn Verfassung be-zweckt, beschlossen. Ich weiß nicht, wie Rathenau zur Frage derRepublik in abstracto gestanden hat. Aber ich weiß, daß er Deutsch-land über alles liebte und daß er Realpolitiker war. Da mußte ersich sagen, daß ein Bürgerkrieg unvermeidlich wäre, wenn eine anti-republikanische Minderheit die überwältigende Mehrheit des deutschenVolkes, die von einer Monarchie nichts wissen will, vergewaltigenwollte. Ich bin daher überzeugt, daß Rathenau mir zugestimmt hätte,daß das Gesetz zum Schutz der Republik das mindeste ist, was ge-schehen konnte, wenn Deutschland sich nicht selbst aufgeben will.

Liest man das Gesetz, so wirkt es ja geradezu beschämend, zusehen, was für Bestimmungen notwendig geworden sind, um unserBaterland zu verteidigen.

Sollte man es für möglich halten, daß es in Deutschland not-/wendig geworden ist Bestimmungen dagegen zu treffen, daß Be-amte die Staatsverfassung schmähen, deren Schutz ihnen anvertrautist! Was würde geschehen sein, wenn ich was mir ja innerlichunmöglich gewesen wäre entgegen der Treue, die ich meinemKönige geschworen hätte, in einer Studentenversammlung eine Redemit dem Rufe: Es lebe die Republik! geendet hätte? Hätte mannicht sofort eine Disziplinaruntersuchung gegen mich eingeleitet?

Sollte man es für möglich halten, daß es notwendig hätte werdenkönnen, die Farben des Wappens des alten deutschen Reiches Schwarz-

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