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Die Agrarreform in Preussen / von Lujo Brentano
Entstehung
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nur aus dem Vermögen, das sie über ihren Hof besitzen, ge-währen. Audi kann der Bauer nicht etwa durch Testamentfrei über sein Land verfügen; er kann das nur über denWerth der von ihm errichteten Gebäude und das todte undlebende Inventar, weil er diese sonst nicht beschaffen würde.Allein Möser begnügt sich nicht mit Vorschriften zur Ver-hütung der Verschuldung; er sorgt auch, dafs sie beobachtetwerden; die Aufsicht darüber führt der Gutsherr, der nachseiner Auffassung nur als ein Aufseher des Staats über dieWirtschaften der Bauern erscheint.

Es ist hier nicht Raum, um die ganze Argumentation,mit der Möser dieses sein Ideal sowohl historisch als auchaus der Natur der Dinge zu begründen sucht, wiederzugeben 10 ).Ebensowenig kann hier der Appell des Osnabrückers an dieihm ja fernstehende preufsische Regierung, sie möge doch dieErbfolge nur eines einzigen Kindes in die Bauernhöfe ein-führen, Platz finden. So beweglich seine Worte waren, dieStaatsmänner seiner Zeit schritten zur Verwirklichung dessen,was er bekämpfte. Dafür hat dann die feudale Oppositiongegen die Bauernbefreiung seine Argumente während einesganzen Jahrhunderts ad nauseam wiederholt. Rodbertus hatsich die theoretischen und praktischen GrundanschauungenMösers vollständig angeeignet und ihnen durch die stärkereBetonung des sozialistischen Theils ihres Inhalts die An-erkennung der neu heranwachsenden Generation verschafft.Aber der Rächer seiner Zurückweisung durch die preufsischeRegierung seiner Zeit erhob sich erst aus seiner Asche, alsder ehemalige glühende Verehrer von Karl Marx und ehe-malige Bürgermeister von Osnabrück , Dr. Miquel, zu einerführenden Stellung im preufsisclien Landtage gelangte undschliefslich das preufsische Finanzministerium übernahm.

Die Thatsache, welche die öffentliche Aufmerksamkeit der

10 ) Siehe meinen Aufsatz: Justus Möser , der Vater der neuestenpreufsisclien Agrarreform, in der Beilage derMünchener Allgemeinen Zei-tung vom 12. u. 13. Februar 1807.