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Die Agrarreform in Preussen / von Lujo Brentano
Entstehung
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Deutsche Reich iu der Vergangenheit begründet habt und Ihrseid die festesten Grundlagen für den Staat und das König-thuni auch in der Zukunft; ich erachte es als die erste Auf-gabe des Staats, dafür Sorge zu tragen, dafs dieses feste Fun-dament, auf welchem der preufsische Staat aufgebaut ist, er-halten werde. Das aber geschieht eben, wenn Ihr auf meinenVorschlag hört. Der Fehler der Stein-HardenbergisclienGesetzgebung war nicht der, dafs sie Euch anrietli, EurenGrundbesitz zu zerschlagen, sondern dafs sie Euch nur dieMöglichkeit liefs, ihn zu freiem Eigenthum zu verkaufen.Das dürft Ihr freilich nicht thun: denn damit gebt Ihr ihn weg.Ich habe aber das Kunsstück erfunden, wie man etwas ver-kauft und es trotzdem behält. Ihr müfst Euren Grundbesitzverkaufen, aber nicht zu freiem Eigenthum, sondern gegenRente. Damit ist uns beiden gedient: Euch, denn Ihr be-haltet das Obereigenthum über Euren Grundbesitz und damitEure Stellung und Euren Einfluls, und dem Staate, denn erbehält in Euch das feste Fundament, auf welchem er grofsgeworden, und erhält aufserdem den Bauernstand, den er sodringend benöthigt.

Nun erwidern die Grofsgrundbesitzer, mit Rente sei ihnennicht gedient. Sie seien hoch verschuldet und vielfach nahedaran, in ihrem Schuldenmeer zu ertrinken. Was sie brauchten,sei Geld, nicht Rente. Ihre Gläubiger verlangten von ihnenKapital, und dieses sei es, was sie nicht hätten.

Allein Dr. Miquel hat diese ihre Lage trefflichst berück-sichtigt. Ich begreife, fährt er fort, dafs Ihr Geld wollt. Auchhabe ich Fürsorge getroffen, dafs Ihr es erlangt. Da sinddie Reutenbanken des Staats, deren Aufgabe es ist, Renten-verptlichtungen der Bauern den Grofsgrundbesitzern abzu-kaufen. Allerdings kann der Staat nicht alle auf einem Bauern-gut ruhenden Rentenverpflichtungen übernehmen, das würdeseine Finanzen möglicherweise gefährden; er kann nur dieRenten übernehmen, welche 3 /i des Ertragswerths des Gutsnicht übersteigen. Allein dies ist nicht zu Eurem Nachteil,sondern zu Eurem Vortheil. Denn einmal erhaltet Ihr in Folge