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bilden. Selbst Sering bat diesem Vorgang nicht nur dievollste Anerkennung zu Theil werden lassen, sondern sogarden Schlufs daraus gezogen, dafs es sich empfehle, bei Be-gründung von Rentengutskolonieen ordentliche Geschäftsleuteheranzuzieheu, da „mittelmäfsige Beamte leicht der reglements-mäfsigen Schablone verfielen“. Wir haben ferner gesehen,dals die Polen vier Landerwerbsgenossenschaften gegründethaben, um entgegen dem Vorgehen der staatlichen Ansiedlungs-kommission Güter im polnischen Interesse auszuschlachten,und wie diese auf der Freiwilligkeit beruhenden Unter-nehmungen trotz aller Hindernisse, die ihnen die Behördenbereitet haben, gedeihen. Darauf wurde bereits 1894 eineAktiengesellschaft für innere Kolonisation projektirt, welcheleider nicht zu Stande gekommen ist. Allein das Jahr daraufwurde die Aktiengesellschaft „Landbank“ in das BerlinerHandelsregister eingetragen, mit einem Grundkapital von fünfMillionen Mark, welche sich das Aufkäufen von grofsen Gütern,um sie in Bauerngüter auszuschlachten, zum Ziele setzte. Inihrem Geschäftsberichte für 1896 wird hervorgehoben, diepraktische Durchführung einer selbst nur kleinen Kolonisationerfordere vor allen Dingen Zeit, Geld und grofse Geschäfts-gewandtheit. Die staatliche Hilfe, welche die General-kommissionen und Spezialkommissionen gewährten, reichenicht aus, die Schwierigkeiten zu überwinden. Die Landbankhat daher die Dienste jenes von Sering so gerühmten Ge-schäftsmannes gewonnen und in der kurzen Zeit ihres Be-stehens nicht weniger als 15 Landgüter mit einem Umfangvon etwa 67 950 Morgen erworben und davon mehr als24 000 Morgen an 240 Käufer parzellirt. Die Bilanz für 1S96ergab einen Gewinnsaldo von 356 507 Mk., aus dem die Re-serven mit 35 650 Mk. dotirt wurden und die Aktionäre eineDividende von 7 pCt. erhielten.
Das Geschäft hat sich also sehr gut rentirt, und mansieht, dafs es nicht nur des neuen Prinzips der Verstaat-lichung der Güterschlächterei nicht bedurft hätte, sonderndafs die staatliche Güterschlächterei im Vergleich zur privaten