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der Reservearmee der Arbeitslosen schwindet auch der ver-hängnißvolle Druck, den ihr Dasein auf die Arbeitsbedingungender Beschäftigten übt; und nun droht auch nicht mehr längereine Krisis, die Arbeiterversicherung unwirksam oder un-genügend zu machen. Nunmehr erst wird eine Altersver-sicherung, die mehr als eine bloße Armenunterstützung aus-macht, überhaupt möglich.
Aber mit dieser Entwicklung sind unstreitig auch großeGefahren verbunden, welche die dringendste Aufmerksamkeitseitens der Regierung wie der Gesetzgebung erheischen.
Die eine ist, daß die coalirten Betriebe ihr Monopolauf dem heimischen Markte zur Bedrückung des Publikumsausnutzen. Allein eben das Schutzzollsystem, dessen die Kar-telle zum sicheren Wirken unentbehrlich bedürfen, giebt demStaate die wirksamste Waffe in die Hand. Jede ernsthafteDrohung mit einer Zollreduction dürfte ausreichen, um alleMißbräuche zu beseitigen.
Die andere Gefahr erwächst aus der Ausbreitung derKartelle den Arbeitern. Denn sichert das Kartell der Be-triebe den Arbeiter auch gegen eine Arbeitsentlassung wegenmangelnder Beschäftigung, so wird für ihn eine Entlassungwegen Differenzen mit dem Arbeitgeber um so furchtbarer,wenn alle Betriebe, bei denen er Beschäftigung finden kann,in einem Verbände vereinigt sind. Daher denn die Aus-bildung einer wirksamen Arbeiterschutzgesetzgebung und dieRegelung der Bedingungen des Arbeitsvertrags durch Schieds-und Einigungskammern um so unvermeidlicher werden, jemehr die Kartelle überHand nehmen.
Diese Gefahren also sind nicht unüberwindlich.