Meine Herren!
Es giebt zwei Wege, um Anderen die Gesichtspunkteklarzulegen, von denen man sich bei seiner wissenschaftlichenThätigkeit leiten zu lassen gewillt ist.
Entweder man sagt, wie man die gestellten Aufgabenbehandeln will, oder man zeigt, wie man sie behandelt.
Ich vermeide heute das Erstere. Wie der Landpredigervon Wakefield stets der Meinung gewesen ist, daß der ehr-liche Mann, der heirathet und eine große Familie aufbringt,größeren Nutzen stiftet, als Derjenige, der ledig bleibt undüber Bevölkerung schwatzt, so war ich nie ein Freund jenesgeistigen Schuldmmachens, das über ewigen Reden, was undwie es gemacht werden soll, nie dazu kommt, etwas zu machen.
Allerdings habe ich, als ich vor einem Jahre mein Lehr-amt in Wien angetreten habe, wenigstens theilweise gegendiese Regel gefehlt. Aber damals diente eine gewisse Not-wendigkeit als Entschuldigung. Denn gegenüber der dortherrschenden abstracten nationalökonomischen Schule galt esauf die theoretischen Irrthümer und die praktischen Mißerfolgehinzuweisen, zu denen ihre Methode geführt hatte, und gegen-über absprechendem Verkennen die Ziele und Wege einerhistorisch-realistischen BeHandlungsweise zu zeigen.
L, Brentano, Ursachen zc, 1