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Aber nicht nur, daß ich nach nur einem Jahre kaumetwas Anderes zu sagen hätte, ganz verschieden ist meineLage heute in Leipzig von der in Wien . An der Stätte, dieich hier betrete, gilt es nicht, der Methode, deren ich michbediene, erst die Bahn zu eröffnen. Die Programmrede, dieich halten könnte, hat vor bereits 46 Jahren der Mann ge-halten, dessen Nachfolger auf diesem Lehrstuhle zu sein, diegrößte wissenschaftliche Ehre ist, die mir zufallen konnte. AlsWilhelm Röscher 1843 seinen „Grundriß zu Vorlesungen überdie Staatswirthschaft nach geschichtlicher Methode" veröffent-lichte, war dies grundlegend für den seither eingetretenenUmschwung in der Behandlung aller volkswirthschaftlichenFragen, Vielfach wird das auf Grund seines ProgrammesErrungene von der heutigen Generation bereits als etwasSelbstverständliches hingenommen. Eine um so größere Be-wunderung wird Derjenige zollen, der die ganze Oedigkeitder demselben unmittelbar vorausgegangenen Schriftstelleraus eigenem Studium kennt. Und wer die späteren National-vkonomen gelesen hat, weiß, daß das, was Röscher damalsschrieb, das Programm nicht nur für sein Leben, sondernfür den besten Theil der auf ihn folgenden deutschen Wissen-schaft geworden ist.
Daher kann es auch heute nicht meine Aufgabe sein,mich in theoretischen Darlegungen über Methode zu ergehen.Sollte ich etwa Dinge, die hier längst geläufig sind, wieder-holen und bestenfalls ausführen, welche Modificationen inder Behandlung die seitherigen Erfahrungen und die eigeneIndividualität etwa erfordern? Vielmehr scheint es an-gezeigt, an einem Beispiele zu zeigen, inwiefern die An-