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regungen, die Wilhelm Röscher vor einem halben Jahrhundertgegeben hat, in mir noch nachwirken.
Ich wähle dazu ein Thema, das uns Allen am Herzenliegt: Welches sind die Ursachen der heutigenso-cialen Noth?
Die abstracte Nationalökonomie geht bei Beantwortungdieser Frage von begrifflichen Untersuchungen aus. AlsRegel beschäftigt sie sich zuerst mit dem Begriffe des Werths.Dabei gehen verschiedene Richtungen in verschiedener Weise vor.
Die Einen halten sich bei diesen Begriffsbestimmungennicht an die Wirklichkeit. Sie formuliren die Begriffe ineiner Weise, daß sie statt den Thatsachen bereits den Idealenentsprechen, die dann als Postulate daraus abgeleitet werdensollen. So insbesondere Karl Marx und Rodbertus. DerLetztere gesteht sogar ein daß der Satz, wonach der Werthgleich der Arbeit sei, welche die Herstellung eines Gutesgekostet habe, nicht den Thatsachen gemäß sei; was hiervorausgesetzt werde, sollte nur stattfinden. Und in demWiderspruch der Wirklichkeit mit den aus diesem Werthbegriffabgeleiteten Postulaten für die Vertheilung der Güter wirddann der Urquell allen socialen Uebels gesehen.
Darauf kommt eine andere abstracte Schule. Sie stelltden durch jene Postulate gefälschten Werthbegriff richtig. Siezeigt, daß der Werth nicht gleich der Menge der auf dieProduction verwendeten Arbeit und das Postulat nach Ueber-antwortung des ganzen Products an den Arbeiter somit un-gerechtfertigt sei. Aber damit begnügt sie sich, und gerade,weil sie mit ihrer Zurückweisung des Anspruchs des Arbeiters
auf das ganze Product im Recht ist, entsteht dann die Vor-
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