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stellung, in der ökonomischen Welt sei Alles in Ordnung, esgebe keine außer der selbstverschuldeten Noth.
Wir befinden uns im Gegensatz zu beiden Anschauungen.
Zu der ersteren: wir sind viel bescheidener. Wir unter-fangen uns nicht in ähnlicher Weise das Leben zu meistern,weder indem wir in die Begriffsbestimmungen Postulate stecken,die wir daraus ableiten wollen, noch auch indem wir Idealennachjagen, die außerhalb des Erreichbaren liegen. Bei derFeststellung der Begriffe halten wir uns streng an dieWirklichkeit; bei dem, was wir erstreben sind wir zufrieden,wenn nur die materiellen Bedingungen für eine gesitteteExistenz Aller geschaffen werden.
Ueberhaupt sind wir der Meinung, daß es nicht erstder Contrastirung mit gewissen Idealen bedarf, um uns dieMißstände, die uns umgeben, zum Bewußtsein zu bringen.Und eben deshalb befinden wir uns auch im Gegensatz zuder zweiten Anschauung. Wir wissen, daß unsere wirthschaft-liche Entwicklung früher ungeahnte Massen von Besitzlosenan einzelnen Centren zusammengedrängt hat. Diese hat dieGesetzgebung für frei erklärt; für frei, — was heißt dies?Dies heißt hier nicht bloß für rechtlich unabhängig von An-deren, sondern für wirthschaftlich auf sich selbst angewiesen.Und eben das sich selbst Ueberlassensein hat diese rechtlichFreien zu einer thatsächlichen wirthschaftlichen Abhängigkeitgeführt, welche vielfach die Grundlage auch einer persönlichen,socialen und politischen Abhängigkeit geworden ist. Unddabei ist diese Abhängigkeit weder das Schlimmste, noch auchdas, was zu heben am schwierigsten wäre. Viel schlimmernoch ist die den Massen eigenthümliche Unsicherheit ihrerExistenz, welche zur selben Zeit, da sie auf sich selbst ver-