Druckschrift 
Über die Ursachen der heutigen socialen Noth [sozialen Not] : ein Beitr. zur Morphologie d. Volkswirthschaft ; Vortr. gehalten beim Antritt d. Lehramts an d. Univ. Leipzig am 27. Apr. 1889 / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36

Mehrung der Gescllenzahl, andererseits zur Erschwerung des Meister-werdens. Alle diese Maßnahmen bezweckten lediglich eine künstlicheMinderung des Werths der Arbeitsleistung. Wie sehr sie als solche em-pfunden werden, zeigen die seit dem 14. Jahrhundert auftretenden undnicht etwa mit der Entstehung der Manufactur, sondern mit dem fort-schreitenden kapitalistischen Charakter des H and Werkbetriebs sich mehren-den Arbeitseinstellungen. Der Reichsschluß von 1731 richtet sich nichtetwa gegen die Ausstände der in den Manufacturen beschäftigten Arbeiter,sondern gegen die der Handwerksgesellen.

9) Nach Marx liegt es nahe, das Vorhandensein eines großenKapitals als einzige Vorbedingung sür die Durchführung der Cooperationanzusehen. . . . Lohnarbeiter können nicht cooperiren, ohne daß das-selbe Kapital, derselbe Kapitalist sie gleichzeitig anwendet... Die Lohn-summe der Arbeiter sür den Tag, die Woche u. s. w. muß daher in derTasche des Kapitalisten vereint sein, bevor die Arbeitskräste selbst imProductionsproceß vereint werden. Zahlung von 300 Arbeitern auf ein-mal, auch nur für einen Tag, bedingt mehr Kapitalauslage als Zahlungweniger Arbeiter Woche für Woche während des ganzen Jahrs. DieAnzahl der cooperirenden Arbeiter, oder die Stufenleiter der Cooperation,hängt also zunächst ab von der Größe des Kapitals, das der einzelneKapitalist im Einkauf von Arbeitskraft (lies: Arbeit) auslegen kann, d. h.von dem Umfang, worin je ein Kapitalist über die Lebensmittel vielerArbeiter verfügt." (Marx , Das Kapital I. 1. A. S, 311.)

10) Stieda, Litteratur , heutige Zustünde und Entstehung der deutschenHausindustrie, Leipzig 1889, S. 116 scheint mir die Größe der Ausfuhrauch der deutschen Jndustriecrzeugnisse zu unterschätzen.

11) Vgl. die Ausführungen in meiner Wiener AntrittsredeDieklassische Nationalökonomie" Leipzig 1888, S. 23 ff. und die dort an-geführten Belege.

12) Man erwäge z. B. die Vorgänge im englischen Strumpfwirker-gewerbe. Vermöge ß 33 des Privilegs, durch welches Karl II. 1663 dasStrumpswirkergewerbe zünftig organisirt hatte, sollte das Lchrlingsgesetzder Elisabeth für das Gewerbe Gültigkeit haben. Danach sollte Jeder,der drei Lehrlinge hielt, einen Gesellen halten, und für jeden Lehrlingüber drei, wieder einen. Aber bereits zu Anfang des 18. Jahrhundertsbeschäftigten die Arbeitgeber Lehrlinge in unbeschränkter Zahl, oft imVerhältniß von zehn und mehr Lehrlingen zu einem Arbeiter. Ein Mannwird angeführt, der dreißig Jahre lang stets ungefähr fünfundzwanzig