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Lehrlinge und nur einen Arbeiter beschäftigte. Ein besonderer Anreiz zuder Beschäftigung der Lehrlinge an Stelle der ausgelerntcn Arbeiterwaren, abgesehen von dem geringeren Lohn, den ein Lehrling erhielt, diePrämien, oft zn dem Betrag von A 5, welche die Pfarreien für jedenJungen, den man ihrer Armenkasse abnahm, bezahlten. (Felkin, Ilistoi?ok tlis maedins-vronglit Hosisr^ imcl I^aes rnkmutAeturss. London 1867 x. 73.) Durch dieses System wurden die erwachsenen Arbeiter sofortnach vollendeter Lehrzeit brodlos und geriethen ins tiefste Elend. Dawandten sie sich 1710 an die Zunft mit der Bitte, die Bestimmungender Coopcrationsurkunde in Bezug auf Lehrlinge durchzuführen. DieZunft lehnte dies ab. Hierauf erfolgte eine Revolte der Arbeiter. Siezerstörten ungefähr 10l) Strumpfwirkerrähmen, warfen sie aus den Fensternund prügelten die widersprechenden Arbeitgeber und Lehrlinge. Die er-schreckten Arbeitgeber gaben nach und versprachen, künftig die Bestimmungenüber Lehrlinge beobachten zu wollen. Da das System der Pfarrlehrlingejedoch fortdauerte, blieb trotz dieses Versprechens das Gewerbe dermaßenmit Arbeitern, die, nachdem sie ausgelernt hatten, beschäftigungslosumherwanderten, überfüllt, daß die ernstlichsten Unruhen entstanden. Biszu welchem Grade dieselben gediehen, ersieht man daraus, daß 1727 einGesetz erlassen wurde, welches das Zerschlagen von Rahmen, das Haupt-rachemittel der Arbeiter an ihren Arbeitgebern, mit dem Tode bedrohte.lFelkin, pp. 73, 227—229.) Die Ueberfüllung des Gewerbes mit brod-losen ausgelernten Pfarrlehrlingen brachte dieselben in den Jahren1740—17SO, nach Felkin lp- 82) dem Hungertods nahe. „Oft war nurein Rock in einer Werkstütte, der von Jedem abwechselnd getragen wurde,wenn er ihre Räume verließ; so daß ein gewisser Moß, ein Arbeitgeberin Northamptonshire , sich weigerte, einen Arbeiter zu beschäftigen, der imBesitze eines guten Rockes sei, indem er erklärte, die besten Arbeiter seiennur in den zerfetzten zu finden." — Diese Vorgänge dienen gleichzeitigzur Widerlegung Gaskell's, der die gewerblichen Arbeitervcrhältnisse vorder Einführung der Maschinen als idyllische schildert.
13) Vgl. Stieda, a. a. O. S. 120, 123. bes. S. 126. Von Straß-burg berichtet Stieda aus d. I. 1642, „daß einige Hosenstricker Soldatender Garnison beschäftigten", — ganz ahnlich wie in England die vonden Pfarreien gelieferten Armenkindcr beschäftigt wurden. Sehr richtigfügt er gegenüber den damals gegen diese Mißbrüuche ergangenen ver-geblichen Verboten hinzu: „Es ließ eben die unaufhaltsam vor sich