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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Wirtschaft der Provinzen nördlich der Alpen . 161

Schaffung des ganzen Qroßbesitzes nötigen Arbeitskräfteals Sklaven zu halten, und es nicht möglich ist, die zurZeit des gesteigerten Bedarfs nötigen Arbeitskräfte als freieLohnarbeiter zu dingen, gibt man einen Teil des Großi-grundbesitzes an Kolonen zur Selbstbewirtschaftung gegendie Verpflichtung zu regelmäßigen Abgaben und Dienst-leistungen zur Zeit der Bestellung und zur Erntezeit.

Etwas anderes aber ist die Frage nach dem histori-schen Anfang des Kolonats. Ursprünglich ist der Koloneein freier Kleinpächter gewesen. Allein zu Ende derKaiserzeit ist es anders geworden. Noch werden sie zwarim Gegensatz zu den Sklaven als Freie (ingenui) be-zeichnet; allein es ist etwas Eigentümliches um ihre Freiheit.Sie können wie Sklaven geprügelt werden. Sie werden,wenn fluchtverdächtig, gefesselt. Sie sind an die Schollegebunden. Dabei geht das Verhältnis mit Rechten undPflichten auf die Kinder über*). Man bezeichnet ihren Zu-stand mit Recht als jugum servitutis 1 2 ). Den Freien istdie Ehe mit ihnen verboten. An die Stelle des freien ist dertatsächlich unfreie Kolone getreten.

Woher diese Unfreiheit?

Das klassische römische Recht kennt noch nicht denunfreien Kolonat. Weder in den Digesten noch im Codexbefindet sich eine Bestimmung, die ihn betrifft. Er ist keineInstitution, sondern eine Praxis 3 ). Das für die Römergeltende Recht kennt nur servi und coloni.

Die unfreien Kolonen haben einen mehrfachen Ur-sprung.

Ein Teil derselben ging hervor aus Sklaven 4 ). Mangab entfernt liegende Grundstücke an tüchtige Sklaven

1) Tit. 48 des Codex Buch 11. Vgl. auch Max Weber ,Römische Geschichte 24850.

2) Cf. Henricus Bolkestein, De colonatu Romano eius-que origine. Amstelodami 1906.

3) Fustel de Coulanges, Revue des deux mondes, T. 77, 836.

4) C. 12, § 3, D. 33, 7: quaeritur an servus qui quasi co-lonus in agro erat etc.

L. Brentano, Das Wirtschaftsleben der antiken Welt.

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