Die klassische Nationalökonomie
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Konjunktur ihm ermöglichte, sie ein besseres Gewerbeerlernen zu lassen. Der kleine Knabe, der seit demzartesten Alter in der Seidenweberei beschäftigt war,wird aber als Mann nicht etwa Landarbeiter, wennder Ackerbau aufblüht und die Seidenweberei zurück-geht. Seine dem ererbten Berufe angepaßten Gliedermachen ihn ja untauglich zu fast allem anderen. Auchmindert er bei abnehmender Nachfrage nicht etwa seinAngebot; im Gegenteil; er verlängert die eigenenArbeitsstunden, da er bei den gesunkenen Preisen nurso die äußerste Lebensnotdurft verdienen kann.
Überhaupt fand ich nicht die von der klassischenNationalökonomie vorausgesetzte einheitliche Arbeiter-klasse. Jedes Gewerbe hat seine besondere; und stattder Berufswechsel je nach dem jeweiligen Stande derLöhne finden sich, im alten Europa wenigstens, solchenur innerhalb mäßiger Grenzen und zwar auch dannnur unter dem Druck schwerer gewerblicher Stockungen.Dem entsprechend in der Wirklichkeit auch keine Aus-gleichung der Lohnsätze in der Art und Weise, wiedie klassische Nationalökonomie sie voraussetzt. Undzwar sind sie nicht bloß aus den von dieser bereitszugestandenen Gründen, wie z. B. der Verschieden-heit der Lebensmittelpreise, verschieden, sondern jenach dem Vorhandensein von Beziehungen, von denenihre abstrakte Betrachtungsweise gar nichts weiß,nämlich je nach der Verschiedenartigkeit des Verhält-nisses der Arbeiter sowohl zum Arbeitgeber als auchzueinander. In ersterer Beziehung kommt es haupt-sächlich darauf an, ob die Beziehungen zwischenArbeitgeber und Arbeiter überwiegend auf einemAutoritätsverhältnisse beruhen oder lediglich auf einemkurzlebigen Dienstvertrag. Nach der vom Kongreßdeutscher Landwirte 1875 veröffentlichten Erhebungüber die Lage der ländlichen Arbeiter im Deutschen