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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

nach der entgegengesetzten Richtung wurden dieseLehren nutzbar gemacht. Noch in den sechziger, jabis in die siebziger Jahre wurde in England undDeutschland in Aufsätzen und Zeitungsartikeln unterBerufung auf die ewigen Gesetze der Volkswirtschaftden Arbeiterkoalitionen die Unmöglichkeit von Lohn-steigerungen außer auf Kosten einer anderen Klassevon Arbeitern dargelegt, und in beiden Ländern habendie daran geknüpften Mahnungen, die Arbeiter möchtenim Namen der von . ihnen proklamierten Brüderlichkeitvon Lohnsteigerungen absehen, nicht wenig zur Mehrungder Erbitterung beigetragen.

Und wie verhält es sich in der Wirklichkeit?

Vor allem fand ich den Arbeiter weit verschiedenvon dem Warenspekulanten, als welchen die klassischeNationalökonomie ihn voraussetzt. Nirgends gabenErwägungen über das Verhältnis von Angebot undNachfrage in diesem oder jenem Gewerbe bei der erstenBerufswahl den Ausschlag; vielmehr wirkten dabeidas Herkommen oder irgendwelche nächste Gelegenheit,Arbeit zu finden, schon seltener irgendwelche Berufs-neigung bestimmend; ja oft konnte nach Lage derVerhältnisse nur das Entgegengesetzte von jenen Er-wägungen das Maßgebende sein. Oft fand sich beisinkender Nachfrage ein steigendes Angebot und um-gekehrt bei Besserung der Konjunktur eine Minderungder Arbeitskräfte, die einem Gewerbe sich zuwandten.So fand ich z. B. den armen Handweber seine Kinderum so frühzeitiger- zu seinem eigenen Gewerbe anlernen,je mehr sein Gewerbe zurückging, während die bessere

der Heilmittel der Überproduktion sagt:Wenn ein überlegenerGenius das Kapital des Landes zu seiner Verfügung hätte, -würdeer in sehr kurzer Zeit die Geschäfte wieder so lebhaft wie jemachen.