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Ethik und Volkswirtschaft in der Geschichte 1 )
H o ch an s e h n 1 i c h e Versammlung!
Seit ich vor dreißig Jahren die Lehrkanzel zumersten Male betreten habe, ist das Interesse der Stu-dierenden, und zwar das Interesse der Studierendenaller Fakultäten, an dem Fache, dem ich diene, in außer-ordentlichem Maße gewachsen. Die Ursache ist nichtschwer zu finden. Sie wurzelt nicht in einer Zunahmedes streng wissenschaftlichen Interesses. Nicht dasStreben nach Erkenntnis der Kausalzusammenhängeist es, was die große Zahl der jungen Leute in ersterLinie heranlockt. Die wirtschaftlichen und sozialenFragen haben seit dreißig Jahren eine immer stärkerhervortretende Bedeutung im öffentlichen Leben erhalten.Gerade die Besten unter der Jugend haben sich aufGrund des im elterlichen Hause oder in der SchuleGehörten, einige auch nach dem, was sie in den öffent-lichen Blättern gelesen haben, gewisse Ideale bezüg-lich der Lösung dieser Fragen gebildet. Was sie zumStudium der Volkswirtschaftslehre treibt, ist derWunsch,eine wissenschaftliche Bestätigung ihrer vorgefaßtenMeinungen und eine Kenntnis der Mittel uhd Wegezu erlangen, um ihre Ideale zur Verwirklichung zu
*) Rede beim Antritt des Rektorats der Münchener Univer-sität, gehalten am 23. November 1901.