Die klassische Nationalökonomie
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Und gerade darauf beruht es, wenn weiter gelehrtwird, daß alle Fortschritte in der Produktivität derArbeit nicht dem Arbeiter, sondern lediglich demKapitalisten zufallen, wie ja nicht erst Rodbertus undMarx behauptet haben, sondern Ricardo schon darlegt 1 ).
Allein noch aus einem anderen Grunde erscheintes der klassischen Nationalökonomie unmöglich, daßder Anteil des Arbeiters am Ertrage ein größererwerde. Denn wie sie statt der Arbeiter die Bevölke-rung setzt, so kennt sie statt der Arbeitgeber nur dasKapital. Sie argumentiert, als ob das, was in jedemgegebenen Augenblicke als Lohn unter die Bevölkerungverteilt wird, identisch wäre mit der Summe des je-weilig vorhandenen Kapitals. Somit erscheint der je-weilige Lohnsatz als infolge eines unabänderlichenNaturgesetzes bestimmt. Er ist der Quotient, der sichdurch die Teilung des vorhandenen Kapitals durch diegegebene Bevölkerungsziffer ergibt. Und wenn eineKlasse von Arbeitern auch nur vorübergehend eineLohnsteigerung für sich durchsetzen sollte, wäre diesfolglich nur möglich auf Kosten einer anderen, derenLohn entsprechend niedriger sein müßte.
Es ist unglaublich, welche Verwüstungen dieseTheorie angerichtet hat! Die Sozialdemokraten habenvollständig recht, wenn sie die Lehren und Forde-rungen von Rodbertus und Marx als ihre allein folge-richtige Ausbildung hinstellen, und es ist in dieserBeziehung bemerkenswert, daß in den kürzlich ver-öffentlichten Briefen Ricardos an Malthus sich Vor-ahnungen dieser Forderungen finden 2 ). Aber auch
*) Vgl. Bonar, Letters of Ricardo to Malthus, Oxford 1887,
S. 46.
2 ) So kann es als Antizipation der sozialdemokratischenForderung nach planmäßiger Regelung der Produktion gelten,wenn Ricardo (vgl. Bonar a. a. 0. S. 174) in einer Erörterung