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Lu jo Brentano
damit eliminiert, und somit bleibt als einziges Wertbestimmendes Moment nur mehr das objektive derHerstellungs- oder Beschaffungskosten. Als der gerechtePreis der Kirchenväter erscheint derjenige, bei demGüter von gleichen Beschaffungskosten gegeneinandervertauscht werden *), und es erscheint als Sünde, so-wohl mehr für ein Gut zu nehmen, als auch wenigerfür dasselbe zu geben, als seinen Kosten entspricht.
Es erscheint dann lediglich als Konsequenz dieserLehre, wenn alles Zinsnehmen als Wucher verbotenwird. Denn indem man Zins für ein Darlehen nahm,verstieß man nicht bloß gegen das „Leihet, daß ihrnichts davon hoffet“ des Lukasevangeliums * 2 ), sondernman schien mehr zurückzunehmen, als man gegebenhatte 3 ). Daher das Konzil von Nicäa den Geistlichenunter Androhung von Amtsentsetzung Zins zu nehmenverbot 4 ) und die Kapitularien Karls des Großen 5 ) unddie Kirchenversammlungen des neunzehnten Jahr-hunderts das Verbot auch auf die Laien des west-lichen Europas ausdehnten.
So blieb die Lehre vom Seinsollenden bis insdreizehnte Jahrhundert. Und was war der Erfolgihrer durch Jahrhunderte dauernden Herrschaft? Istes in diesem langen Zeitraum gelungen, dem Idealeauch im Leben allgemeine Anerkennung zu schaffen?Das war ganz ausgeschlossen. Es widersprach zu sehrsowohl der menschlichen Natur als auch den Be-dingungen , unter denen die Menschen zu wirken be-rufen waren. Ja daß nur wenige danach leben konnten,
q Vgl. auch die Bemerkung bei Knies, Polit. Ökonomie vomgeschichtl. Standpunkte 2. A. S. 116.
2 ) Lucas VI 35.
3 ) Vgl. Decr. Grat. II C. 14 qu. 1 c. 2; qu. 3 c. 1—4.
4 ) Decr. Grat. I D. 47 c. 2.
5 ) Vgl. Pertz, Monumenta Germ, histor. Legum. I 55.