Eltliik und Volkswirtschaft in der Geschichte 71
den den wirtschaftlichen übergeordneten sittlichen undpolitischen Zielen in Widerspruch trat.
Somit gelangte man zu neuer Anerkennung derBerechtigung der Staatseinmischung in das Wirtschafts-leben. Allein es war eine andere, die man forderte,als zur Zeit des Merkantilsystems. Nicht der Gangder wirtschaftlichen Erscheinungen sollte künstlichgestaltet oder gar irgendwelche neue, ideale Wirt-schaftsordnung verwirklicht werden. Die Grund-bedingungen des Wirtschaftslebens erkannte man alsgegebene und die Entwicklung, welche dieses unterihrem Einflüsse nahm, als etwas Notwendiges an. Aberwo innerhalb der durch diese Bedingungen und ihreEntwicklung geschaffenen Ordnung die Gefahr auftrat,daß die Übermacht der Starken über die Schwachenhöhere Ziele in Frage stelle, erkannte man ein Ein-greifen des Staats für berechtigt, um innerhalb derdurch jene Bedingungen und ihre Entwicklung ge-schaffenen Ordnung einem jeden zu ermöglichen, seine An-lagen und Fähigkeiten zu freier Entfaltung zu bringen.
Kommen wir nunmehr zum Schluß und damit zumAnfang dieser Betrachtung zurück!
Ich habe gesagt, daß das Interesse der Studieren-den an volkswirtschaftlichen Studien in den letztenJahrzehnten zugenommen habe, wesentlich veranlaßtdurch die wachsende Bedeutung der wirtschaftlichenund sozialen Fragen im öffentlichen Leben. Verände-rungen in den Absatzverhältnissen und in der Technikder Produktion haben gewaltige Verschiebungen inunseren Wirtschaftsverhältnissen hervorgerufen. NeueMethoden der Bedarfsdeckung haben alte verdrängt;neue leistungsfähigere Betriebsformen sind an die Stelleweniger leistungsfähiger getreten oder im Begriffe, eszu tun; Erwerbszweige, welche bisher nur als anderenuntergeordnet erachtet wurden, sind an die erste Stelle