70
erklären ließen; er war ihnen, ähnlich wie Hohhes,ein Axiom, aus dem sie weitere Lehrsätze deduzierten.Dabei gingen sie nicht bloß von der rechtlichen, sondernvon einer tatsächlichen Gleichheit der Menschen aus.Da alle Menschen gleich und in gleichem Maße vomStreben nach dem größten Gewinn beseelt seien,folgerten sie dann weiter, daß das größtmögliche Wohlaller verwirklicht werde, wenn nur der Staat sichjedweder Einmischung in das Wirtschaftsleben ent-halten wolle. Die Folge ihrer fehlerhaften Voraus-setzungen und ihrer fehlerhaften Methode war alsoder Optimismus der Laissez-faire-Politik, und die Folgedieser war die Vergewaltigung der Schwachen durchdie Starken.
Dies führte zur Erkenntnis der gedachten theo-retischen Fehler. Man erkannte, daß die Menschensehr ungleich ausgestattet in den Wirtschaftskampfeintreten. Die Beobachtung zeigte die mannigfachenTriebfedern, welche, die Wirkung des Eigennutzesmodifizierend, das Wirtschaftsleben beeinflussen. Siezeigte als Wirkung der Laissez-faire-Politik statt derVerwirklichung des größten Wohls aller auf der einenSeite Kolosse, auf der anderen Herabdrückung in einenZustand, welcher die Erfüllung der sittlichen Lebens-aufgaben unmöglich machte. Die Folge war, daß manvon der fehlerhaften Methode sich abwandte: an dieStelle der Deduktion wissenschaftlicher Lehrsätze ausdem Eigennutze trat die Unmittelbare Beobachtungder Einzelerscheinungen des Lehens. Sie führte zurErkenntnis dessen, was in einer wirtschaftlichen Er-scheinung durch die Natur der Dinge gegeben, waszufällige Begleiterscheinung ist, und während man vordem ersteren als etwas Notwendigem sich beugte, riefman zur Bekämpfung des Zufälligen aufs neue dieStaatshilfe überall an, wo die Begleiterscheinung mit