Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 79
Meister, was soll ich Gutes tun, daß ich das ewigeLeben möge haben? Er aber sprach zu ihm: Washeißest du mich gut? Niemand ist gut, denn dereinige Gott. Willst du aber zum Lehen eingehen, sohalte die Gebote. Da sprach er zu ihm: Welche?Jesus aber sprach: Du sollst nicht töten; du sollstnicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollstnicht falsch Zeugnis geben; ehre Yater und Mutter;und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich allesgehalten von meiner Jugend auf, was fehlt mir noch ?Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, sogehe hin, verkaufe, was du hast, und gib’s den Armen,so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und kommeund folge mir nach. Da der Jüngling das Wort hörte,ging er betrübt von ihm ; denn er hatte viele Güter.Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ichsage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreichkommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter,daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn daßein Reicher ins Reich Gottes komme. Da das seineJünger hörten, entsetzten sie sich sehr und sprachen:Ja, wer kann da selig werden? Jesus aber sah siean und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist’s un-möglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“
Diese Stelle bildet den Mittelpunkt aller Er-örterungen der Kirchenväter über die irdischen Güter.Bekanntlich war es diese Botschaft, welche den hl. Franzvon Assisi veranlaßte, der Welt den Rücken zu kehren;und wie von ihm, so war sie von Anfang an als eineAufforderung zur Weltflucht gedeutet worden. Esbildete sich auf Grund derselben in der ersten Zeitunter den Christen und Gliedern der Kirche sogareine gesellschaftsfeindliche Anschauung, und gegendie durch diese Entsagung hervorgerufene Lebensweise