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Lu jo Brentano
richteten sich heftige Angriffe der Heiden *). Zweierleiaber war die Folge. Die Angriffe der Heiden riefenApologien hervor, in denen die Christen gegen dieihnen gemachten Yorwiirfe verteidigt wurden; garmanches wurde darin abgeschwächt, was man da, woman zn Christen redete, diesen selbst predigte. Diesgilt insbesondere vom Apologeticus des Tertullian , wienoch gezeigt werden wird. Außerdem machten es vieleReiche wie der Jüngling, zn dem Jesus geredet hat:sie gingen von dannen, d. h. da sie an ihrer Seligkeitverzweifelten, handelten sie in allem der Welt zuGefallen. Daher die Schrift des Clemens von Alexandrien:„Welcher Reiche wird das Heil finden?“, um den ent-mutigten Reichen zu zeigen, daß ihnen das Erbe desHimmels nicht völlig abgeschnitten sei. Daß die Bot-schaft Christi an die Reichen der natürlichen Stellungder Menschen zu den wirtschaftlichen Gütern wider-sprach, wurde also schon vom ältesten Kirchenlehrerempfunden, und Hieronymus nennt 2 ) sie später geradezu„difficile, durum et contra naturam“. „Aber“, fügter hinzu, „willst du vollkommen sein und auf derersten Stufe der Würdigkeit stehen, tue, was dieApostel getan haben, verkaufe alles, was du hast, undfolge dem Heiland, arm und allein folge dem armenKreuze allein. Willst du aber nicht vollkommen sein,sondern den zweiten Grad der Tugend einnehmen, soverlasse alles, was du hast, gib es deinen Kindern,deinen Verwandten.“
Es wird also unterschieden zwischen Gebot, durchwelches eine für alle ausnahmelos verbindliche Pflichtbegründet wird, und Rat, der sich nur an die wendet,
*) Ygl. F. X. Funk, Kirchengeschichtliche Abhandlungen undUntersuchungen II, 47 ff.
s ) Ad Hedibiam c. 1. Migne, Patr. lat. XXII, 985.