Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 81
welche nach Vollkommenheit streben 1 ). Dementsprechendhabe ich auch in- meiner Rede von der Entsagung nichtals von einem für alle gültigen Gebote, sondern nurals von dem christlichen Ideale gesprochen. Jesussagt: „Willst du vollkommen sein, so gehe hinund verkaufe, was du hast, und gib es den Armen“ ;meine Worte lauten: „Daher ihre (der Kirchenväter)Lehre von der Verdienstlichkeit der Weltflucht.Lossagung vom Materiellen, Unterdrückung des Sinn-lichen, Zurückziehung des Geistes in sein eigenes Selbsterschien als die höchste Aufgabe des sittlichenStrebens, Entsagung dem Irdischung und allem Eigen-tum als die höchste Vollendung.“ Das formu-liert den Gedanken Christi weit weniger schroff, alser vom hl. Ambrosius formuliert worden ist 2 ), da erschrieb: „Wir erklären nichts für nützlich, als wasder Erlangung des ewigen Lebens dient, keineswegsdas, was zur Ergötzung des jetzigen Lebens gereicht.Auch erkennen wir in dem Glanze und der Fülleirdischer Güter keinerlei Vorzug; vielmehr erscheintuns alles dies als Nachteil, sofern wir uns nichtdavon losreißen; und wir sind überzeugt, daßder Besitz mehr eine Last als ihr Verlust einenSchaden einschließt.“
Ist dies die Stellung der christlichen Lehre zumIrdischen überhaupt, so bedarf es eigentlich keinerweiteren Worte über ihre Stellung zum Reichtum.Daß der Rat, welcher den nach Vollkommenheit Streben-den gegeben wurde, den irdischen Gütern zu entsagen,nicht geeignet war, gerade bei den Besten die Geistes-richtung zu fördern, welche dazu führen konnte, die