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als der Wurzel alles Übels; er nennt es die Mutterder Lüge, des Meineids, des Abfalls vom Glanben.Nach Cyprian x ) kam die Christen Verfolgung zur Strafe,weil „jeder sann auf Vermehrung des väterlichen Erb-guts und, vergessend, was die Gläubigen entweder zuden Zeiten der Apostel früher getan hatten oder immertun sollten, von unersättlicher Erwerbsgier entflammt,sich auf die Bereicherung seines Vermögens verlegte“.Basilius * 2 ) ruft mit Jesaias:
„Wehe denen, welche Haus an Haus reihen undAcker mit Acker verbinden. . . Der Habsüchtige istein böser Nachbar in der Stadt, ein böser auf demLande. Das Meer kennet seine Schranken, die Nachtüberschreitet nicht die alte Grenzbestimmung. DerHabsüchtige aber scheut keine Zeit, kennt keineSchranken, weicht nicht der Ordnung der Nachfolge,sondern ahmt die Gewalt des Feuers nach; er ergreiftalles, er verzehrt alles. Gleichwie die Flüsse, welchein ihrem ersten Entstehen unbedeutend sind, dann all-mählich zunehmend, unwiderstehlich wachsen und ingewaltigem Drange, was ihnen im Wege steht, fort-reißen, so gewinnen auch diejenigen, welche zu großerMacht gelangt sind, durch diejenigen, welche sie bereitsunterdrückt haben, an Macht, größeres Unrecht zu tun,und unterjochen durch den Beistand der früher Be-einträchtigten die übrigen. Ihre Macht wächst mitder Gewalt ihrer Bosheit; denn diejenigen, welchefrüher durch sie Schaden erlitten, gewähren ihnen not-gedrungene Hilfe und fügen gemeinschaftlich mit ihnenanderen Schaden und Unrecht zu. Welcher Nachbar,welches Haus und welcher Handelsgenosse wird nicht
*) Cyprian, de laps. IY.
2 ) Homilie gegen die Reichen c. 5, Migne, Patr. graecaXXXI, 293.