Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 85
fortgerissen ? Nichts widersteht der Gewalt des Reich-tums, alles weicht der Herrschaft des Wüterichs, allesbebt vor seiner Macht, da ein jeder der Beeinträchtigtenmehr darauf sieht, daß ihm kein weiteres Ungemachwiderfahre, als daß er für das frühere Rache nehme.Er reißt Rindergespanne an sich, pflügt, säet underntet, was ihm nicht gehört. Wenn du widersprichst,so wirst du mit Schlägen gezüchtigt; wenn dujammerst, so wirst du der Unbill angeklagt, fort-geschleppt und in das Gefängnis geworfen werden. DieAngeber sind bereit, dich in Lebensgefahr zu setzen.Gern wirst du auch noch etwas anderes geben, umdich von diesen Bedrückungen zu befreien.“
Den Kirchenvätern erschien also das Streben nachReichtum als unvermeidlich verknüpft mit Treulosig-keit und Lüge, mit Meineid, Vergewaltigung und Unter-drückung , und der Reichtum als das Ergebnis deriniquitas. Daher der klassische Ausspruch des Hierony-mus :
Omnes divitiae de iniquitate descendunt, et nisialter perdiderit, alter non potest invenire. Unde etilla vulgata sententia mihi videtur verissima. Divesaut iniquus aut iniqui haeres J ).
Das sind die Quellenbelege für das, was ich bereitsin meiner Rektoratsrede über die Lehren der Vätervom Reichtum gesagt habe. Sie könnten noch sehrvermehrt werden.
Nach der Wiedergabe der Stelle aus Hieronymus fährt meine Rektoratsrede fort:
*) In dem Abdrucke meiner Rede steht, wie bei Migne, Patr.lat. XXII, 984, Dives autem. Wie P. Odilo Rottmanner , 0. S. B.,in einem Aufsatze „über unrichtige patristische Zitate“ imHistorischen Jahrbuch 1902 mit Recht bemerkt, muß es heißen:aut. . aut. Durch die Korrektur gelangt der Gedanke nochprägnanter zum Ausdruck.