Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 83
haben die Kirchenväter diese in unzähligen Homilienund Briefen gegen und an die Reichen wiederholt. Undnun betrachten wir den Gegensatz, in den sie sichdamit zum Wirtschaftsleben gestellt haben!
Ich habe in meiner Rede gesagt, daß „neuereNationalökonomen von dem Menschen ausgehen als voneinem Wesen, das von dem Streben nach Reichtumbeherrscht ist“. Nicht alle tun dies; und die, welchees tun, tun es nicht etwa, weil sie dieses Streben fürbesonders lobenswert ansehen, sondern, weil es die dasganze Wirtschaftsleben beherrschende Tatsache sei.Darin, daß dies der Fall sei, stimmen sie mit denKirchenvätern überein, und gerade die den Menscheninnewohnende cupiditas ist diesendie Wurzel alles Übels.Hatte doch schon der Apostel Paulus geschrieben (adTimoth. I, c. 6):
„Wir haben nichts in diese Welt gebracht, könnenaber auch nichts mit uns fortnehmen. Haben wirnun Nahrung und Bedeckung, so laßt uns damit zu-frieden sein. Die aber. welche reich werden wollen,geraten in Versuchnng und Fallstricke und vieleschädliche Begierden, welche den Menschen ins Elendund Verderben stürzen. Denn die Wurzel aller Übelist die Habsucht (die Vulgata sagt: cupiditas), undmanche, die ihr nachhingen, haben im Glauben Schiff-bruch gelitten und sich viele Schmerzen zugezogen.“
Schon Paulus also eifert gegen die Gewinnsuchtals gegen die Wurzel alles Übels, und dementsprechenddie Kirchenväter. Selbst der Tröster der Reichen,Clemens von Alexandrien, nennt die Gewinnsucht dieAkropolis der Sünde x ). Tertullian * 2 ) wiederholt diePaulinische Bezeichnung des Strebens nach Reichtum
*) Paedagog. II, c. 3, Migne, Patr. graec. VIII, 437.
2 ) De idol. c. 11, Migne, Patr. lat. I, 752.