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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

nackt aus der Mutter Leib ? Wirst du nicht nacktwieder zur Erde zurückkehren? Woher hast du dasGegenwärtige? Wenn du sagst: durch Zufall, so bistdu gottlos, da du den Schöpfer nicht erkennst unddem Geber nicht Dank weißt; wenn du aber bekennst,daß es von Gott sei, so sage uns die Ursache, warumdu es erhieltest. Ist etwa Gott ungerecht, weil erden Lebensbedarf ungleich unter euch verteilt? Warumbist du reich, jener arm? Ganz gewiß, damit duden Lohn der Rechtschaffenheit und treuer Austeilungempfangest, und jener für seine Geduld mit herrlichenPreisen gekrönt werde. Du aber verschließest alles inden unersättlichen Schoß der Habsucht und glaubstniemandem Unrecht zu tun, obgleich du so viele be-raubst. Wer ist habsüchtig? Derjenige, welcher nichtin der Genügsamkeit verharrt. Wer ist ein Räuber?Derjenige, welcher einem jeden das Seinige nimmt.Bist du nicht habsüchtig? Bist du nicht ein Räuber,da du, was du zur Austeilung empfingst, dir alsEigentum anmaßest? Wird der nicht ein Dieb ge-nannt, welcher den Bekleideten auszieht, und verdientder, welcher den Nackten nicht bekleidet, obgleich eres tun kann, einen anderen Namen ? Dem Hungrigengehört das Brot, das du behältst, dem Nackten derMantel, den du bewahrst, dem Unbeschuhten derSchuh, der bei dir modert, dem Dürftigen das Silber,das du vergraben hältst. Daher tust du so vielenMenschen Unrecht, so vielen du geben könntest.

Diese Homilie des hl. Basilius ist, worauf michP. Odilo Rottmanner verwiesen hat, von Rufinus , demFreunde des hl. Hieronymus, der so viele griechischgeschriebene Schriften der Yäter den Lateinern zu-gänglich gemacht hat, glänzend aber frei ins Lateinischeübersetzt worden. Dabei hat Rufinus an Stelle desGleichnisses vom Zuschauer im Schauspielhaus, der