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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Lujo Brentano

sein, es darf kein Raub daran kleben. Freilich, dubist nicht verantwortlich für das, was dein geizigerVater zusammengescharrt hat. Du besitzest zwar dieFrucht des Raubes, aber der Räuber warst nicht du!Aber zugegeben, daß auch dein Vater keinen Raubbeging, sondern daß sein Reichtum irgendwo aus demBoden gequollen ist, wie steht es dann? Macht das denReichtum zu einem Gute ? Durchaus nicht. Aber etwasSchlechtes ist er auch nicht, sagst du. Ist man nichtgeizig, teilt man den Dürftigen mit, so ist er nichtsSchlechtes; ist das nicht der Fall, so ist er schlechtund ein gefährliches Ding. Ja, erwidert man, wenneiner nichts Böses tut, so ist er nicht böse, auch wenner nichts Gutes tut. Ganz recht. Heißt das abernicht etwasBöses tun, wenn einerfürsichallein über alles Herr sein, wenn er Ge-meinsames allein genießen will? Oder istnicht die Erde und alles, was darin ist,Eigentum Gottes? Wenn also all unserBesitz Gott gehört, so gehört er auch un-seren Mitbrüdern im Dienste Gottes. WasGott dem Herrn gehört, ist alles Gemein-gut. Oder sehen wir nicht, daß es auch in einemgroßen Hauswesen so gehalten wird? Zum Beispielalle bekommen das gleiche Quantum Brot. Es kommtja aus den Vorräten des Herrn. Das Haus des Herrnsteht allen offen. Auch alles königliche Eigentum istGemeingut, und Städte, Marktplätze, Arkaden gehörenallen zusammen, alle partizipieren wir daran. Manbetrachte einmal den Haushalt Gottes ! Er hat gewisseDinge zu einem Gemeingut gemacht, damit er dasMenschengeschlecht damit beschäme, z. B. Luft, Sonne,Wasser, Erde, Himmel, Licht, Sterne, das verteilter alles gleichmäßig wie unter Brüder. Allen schufer dieselben Augen, denselben Körper, dieselbe Seele;