Die wirtschaftlichen Lehren des christlichen Altertums 99
Wieviel aber wäre nötig, um sie täglich zu nähren?Wenn man sie an gemeinsamem Tisch gemeinsamspeiste, würde gewiß die Ausgabe keine allzu großesein. Was nun, fragst du, würden wir tun, nachdemwir diese Reichtümer verbraucht hätten ? Du glaubstalso, sie könnten jemals verbraucht werden ? als ob dieGnade Gottes nicht tausendfach fruchtbringender wäre?als ob die Gnade Gottes nicht aufs reichlichste aus-gegossen werden würde ? Und wie? Würden wir nichtso die Erde in einen Himmel verwandeln? Wenn diesbei drei oder fünf Tausend der glänzende Erfolg war,und keiner unter ihnen sich über Armut beklagt hat,um wieviel glänzender wäre es, wenn es einer so großenMenge zuteil würde ? Und wer von den draußenStehenden, der nicht etwas beisteuerte ? Damit ichaber zeige, daß der zerstreute Besitz mehr Kostenmacht und die Ursache der Armut sei, wollen wirannehmen, da sei ein Haus, worin zehn Kinder undFrau und Mann ; jene sei mit Wolleweben beschäftigt,dieser bringe Vorrat von draußen herbei: sage mir,werden die Genannten mehr brauchen, wenn sie ineinem Hause gemeinsam oder wenn jedes für sich leht?Es ist klar, daß sie mehr brauchen, wenn jedes fürsich lebt. Denn wenn sie zerstreut leben, sind für diezehn Kinder zehn Häuser, zehn Tische, zehn Dienernötig und in ähnlicher Weise das Zehnfache an dem, wassonst nötig ist. Wie ist es aber da, wo jemand einegroße Zahl von Dienern hat ? Haben da nicht allenur einen Tisch, um an dem Aufwand zu sparen?Denn die Teilung hat stets eine Schmälerung zur Folge,die Eintracht und das Zusammenleben eine Mehrung.So lebt man heute in den Klöstern, wie ehemals dieGläubigen lebten. Wer ist dabei Hungers gestorben?Wem ist nicht reichliche Nahrung geworden? Jetztaber fürchten sich die Menschen hiervor mehr wie