100
davor, in ein unermeßliches Meer zu fallen. Hättenwir aber einmal einen Versuch in dieser Sache ge-macht, so würden wir uns weit mutiger an sie machen.Wie groß, glaubst du, würde der Vorteil sein? Wenndamals, als kaum einer gläubig war, sondern nur dreioder fünf Tausend, da die gesamte übrige Welt feindlichwar, da man von nirgends Hilfe erhoffen konnte, dieGläubigen die Sache so herzhaft angepackt haben, umwieviel größer würde der Erfolg heute sein, da infolgeder Gnade Gottes der ganze Erdkreis voll vonGläubigen ist? Wer würde noch Heide bleiben? Nachmeiner Meinung keiner; so sehr würden wir alle anuns herangezogen und uns versöhnt haben. Übrigens,wenn wir auf diesem Wege vorwärtsschreiten, hoffeich hei Gott, daß sich so die Zukunft gestalten wird.Gehorchet mir nur, und wir werden allmählich dieSache gut machen, und wenn Gott das Lehen gibt, sohoffe ich, daß wir schnell ein solches Gemeinwesenherbeiführen werden.“
Die Auffassung der Kirchenväter vom Eigentumsteht also im schärfsten Gegensatz zu der des gleich-zeitig geltenden weltlichen Hechts. Nach diesem er-scheint das Eigentum als „das seinem Inhalt nach un-beschränkte Recht der Herrschaft über eine Sache 1 )“.Nach der Auffassung der Kirchenväter ist es eine ver-dammenswerte Usurpation, wenn sich jemand als Herrndessen, was er sein eigen nennt, betrachtet. Es gibtkeinen anderen Eigentümer außer Gott ; den Menschenist nur der Gebrauch gegeben. Damit hätten sie nunallerdings die Hauptsache, wenn dieser Gebrauch inihr Belieben gestellt wäre; denn, wie Clemens vonAlexandrien treffend bemerkt 2 ), „aller Besitz ist nur
*) Ygl. Sohm, Institutionen des römischen Rechts § 48.-) Paedagog. II, 3. Migne, Patr. graeca VIII, 431 ff.