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Zur Genealogie cler Angriffe auf das Eigentum
Weise diese Spenden in den beiden ersten Jahr-hunderten zugunsten der Armen verwaltet wurden, istdunkel; aber seit dem 3. Jahrhundert war es derBischof, dem die milden Gaben der Gläubigen ab-geliefert wurden. So entstand das Kirchenvermögenals patrimonium pauperum. Allein der Bischof warkeinem anderen als Gott für seine Verwaltung Rechen-schaft schuldig, und so wurde die weltflüchtige Eigentums-lehre des Christentums die Ursache der schreiendstenVerweltlichung der Kirche. Während nur das Not-wendigste auf den Unterhalt des Klerus und zu Kultur-zwecken verwendet und lieber die heiligen Gefäße ver-kauft als die Armen in Not gelassen werden sollten,begann ein luxuriöses Leben der Kleriker und eine Prachtim Kultus, welche den Anteil der Armen an Kirchen-gut mehr und mehr minderte, bis, um den Armenüberhaupt einen Anteil zu retten, bestimmt wurde,daß ein Viertel des Kirchengutes der Bischof, einanderes Viertel der Klerus erhalten, ein drittes Kultus-zwecken dienen und das letzte Viertel den Armen ver-bleiben solle. So entstand auf Grund der Lehre vonder Entsagung ein Kirchenvermögen als patrimoniumpauperum, aus diesem eine quarta pauperum, und inden folgenden Jahrhunderten geht den Armen auchdieses verloren. „Das kirchliche Bewußtsein, daß dasKirchenvermögen Armenvermögen sei, verlor sichgänzlich“, schreibt Ratzinger. Die Kirche erinnertesich dessen nur mehr, wenn es galt, ihr Vermögengegen die Eingriffe räuberischer Fürsten zu verteidigenoder fromme Schenkungen zur Mehrung desselben zuveranlassen.
Man muß diese Kausalzusammenhänge sich stetsvergegenwärtigen, um zu begreifen, warum die kom-munistischen Bestrebungen des Mittelalters einerseitsan die kirchliche Lehre anknüpfen, andererseits in