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erster Linie gegen die Kirche sich richten. Die erstegegen diese gerichtete Bewegung, die an die christlicheEigentumslehre anknüpft, finden wir bereits zu Endedes 3. Jahrhunderts.
Die Armut, als sie von der Kirche verlassen wurde,flüchtete sich zunächst in das Mönchtum. Schon imJahre 270 hatte das Evangelium vom reichen Jüngling(Matth . XIX) den reichen Oberägypter Antonius ver-anlaßt, sein Vermögen unter die Armen zu verteilenund selbst in die Wüste zu ziehen. Gegen Ende des3. Jahrhunderts ergriff der Gedanke, das christlichvollkommene Leben zu verwirklichen, eine große An-zahl und veranlaßte sie, dem Antonius nachzufolgen.Die Historiker des Mönchtums sprechen von einerMassenflucht in die Wüste, die dort zur Gründungzahlreicher Eremitenkolonien den Anlaß gegeben. Vonhier aus verbreiteten sich die Klöster über die christ-lichen Länder des Orients und, seit den siebenzigerJahren des 4. Jahrhunderts, auch des Okzidents. Dort-hin flüchtete nun, wer es mit der christlichen Lehreernst nahm. Wer in ein solches Kloster eintrat, mußtesein Eigentum aufgeben und durfte nichts ins Klostermitbringen. Angesichts der steigenden Verweltlichungder Kirche war nunmehr der Mönch der wahre Christ.Auch übten die Mönche eine scharfe Kritik an der Welt-kirche. Allein nunmehr folgte eine Wiederholung dessen,was mit der Anerkennung des Christentums als Staats-religion eingetreten war. Trotz allen gegen sie ge-richteten Tadels suchte die Kirche das Mönchtum ; wardieses doch gewissermaßen ein Sicherheitsventil, durchwelches der überschüssige Keligionseifer besonderskräftiger Individuen, ohne die bestehende kirchlicheOrganisation zu erschüttern, entweichen konnte; baldgestaltete sich das Verhältnis zwischen Mönchtum undWeltkirche freundlich; der Klerus wurde vermöncht,