Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum 181
die Mönche wurden klerikalisiert; wie Kontantin dieKirche, so hat dann Justinian das Mönchtum verstaat-licht ; und wie vorher die Kirche, so verweltlichen nun-mehr die Klöster. Es zeigte sich eben auch hier als-bald der Widerspruch zwischen der natürlichen Stellungdes Menschen zu den irdischen Gütern und der ge-forderten Entsagung. Der Einzelne, der ins Klostereintrat, entsagte zwar allem persönlichen Eigentum,aber nur, um den Genuß alles dessen, was das Eigen-tum geben kann, in gesteigertem Maße als Mitgliedder klösterlichen Gemeinschaft wieder zu erhalten. Unddiese Genüsse wuchsen, als die Klöster gar noch alsdie Armen Christi angesehen und infolge der denReichen anempfohlenen Zuwendungen an die Armensehr reich wurden. Die Eolge war: in den Klösternlebten die, welche der Welt und ihren Freuden entsagthatten, in Üppigkeit, während die Dürftigen in derWelt bittere Not litten. Daher die fortwährendenAnläufe glaubensstarker Individuen, die Mönchsordenzu erneuern; aber stets war ihre Wirkung von kurzerDauer; worauf wieder neue Anläufe, sie zu ihrem An-fang zurückzuführen, mit gleich kurzlebigem Erfolgestattfanden.
Allein im Volke starb deshalb des Verlangen nachRückkehr zum christlichen Ideale nicht aus. Sehrbegreiflich! Die Kirche war es, die dem Volke jenerTage die einzige geistige Nahrung bot, und trotz ihrerfortschreitenden Verweltlichung hielt sie in ihrer Lehrean der altchristlichen Auffassung fest. Nach wie voreiferte sie gegen das Streben nach dem größtmöglichenGewinn; nach wie vor predigte sie die Entsagung alsIdeal. In der Wirklichkeit wurde sie freilich als Folgeder von anderen geübten Entsagung der größte Eigen-tümer und, wie der schon erwähnte Verfall der kirch-lichen Armenpflege zeigt, verwaltete sie selbst ihr