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Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum
auf Liebesgaben für ihren Unterhalt angewiesen, inEntsagung und Demut allein der Liebe und dem Diensteanderer leben. Dabei war Franziskus durchaus keinepolemische Natur. Im Gegenteile ermahnte er seineGenossen, „daß sie keinen Menschen verurteilten, nochjene verachteten, welche köstlich leben und in Prachtund Überfluß gekleidet sind; denn Gott ist unser undihr Herr und kann sie zu sich rufen und rechtfertigen“.
Im Jahre 1210 trat Franziskus vor Innocenz III.und legte ihm seine Hegel zur Bestätigung vor, undder Papst, der allen gegen die verweltlichte Kirchegerichteten Bestrebungen zur Verwirklichung des armenLebens mit allen Mitteln der Gewalt entgegengetreten,erkennt die gegen die Welt im ganzen gerichteteBeformbewegung an und gliedert sie ein in die kirch-liche Organisation. Das war eine Handlung würdigKonstantins, als er das Christentum zur Staatsreligionmachte, und Justinians , als er das Mönchswesen ver-staatlichte. Es wurde damit der Beformbewegung jedegegen die Kirche gerichtete Spitze abgebrochen. Eswar damit für alle, welche sich für ein Leben ent-sprechend dem Evangelium begeisterten, die Möglich-keit der Bealisierbai’keit dieses Ideals und zwar inner-halb der Kirche bewiesen. Die Kirche selbst erhieltdie Kontrolle über diese Bestrebungen, um sie ent-sprechend ihren Wünschen zu beeinflussen ; ja, mankonnte die Begeisterung, welche diese Verwirklichungdes Volksideals vom armen Leben bei den Gläubigenerwecken mußte, zu weiterer Steigerung von Beicktumund Macht der kirchlichen Organisation gebrauchen.
War die Anerkennung statt der Bekämpfung derBestrebungen des heiligen Franziskus, die Welt zumchristlichen Leben zurückzuführen, im Interesse derbestehenden kirchlichen Organisation, so doch nicht indem der Verwirklichung des Franziskanischen Ideals.