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Schon hei Lebzeiten des Franziskus sollte sich derdem Papste eingeräumte Einfluß auf seine Schöpfungsehr zu seinem Schmerze geltend machen. Arbeitenim Dienste anderer kam außer Übung; die Haupt-erwerbsquelle wurde der Bettel; aus dem Bettlergewandmachte die Kirche eine Uniform. Zunächst bliebenBesitzlosigkeit, Armut und das Verbot von Annahmevon Geld. Aber selbst die Besitzlosigkeit erlitt als-bald Einschränkungen. Franziskus hatte seinen Brüdernfeste Wohnsitze verboten. Als er erfuhr, daß sie inBologna ein Gebäude bewohnten, welches man dasHaus der Brüder nannte, befahl er, es zu räumen, undberuhigte sich erst, als der seinem Orden als Protektorgestellte Kardinal erklärte, das Haus stehe nicht imEigentum der Brüder, sondern nur in ihrer Nutz-nießung. So begann schon bei seinen Lebzeiten seinPrinzip, daß auch die Gemeinschaft nicht eigentums-fähig sein solle, umgangen zu werden. In seinem kurzvor seinem Tode verfaßten Testamente vermag manaus der nachdrücklichen Betonung der früheren Armutund namentlich der Verpflichtung zur Arbeit deutlichden Protest gegen alle diese Wandlungen herauszulesen.Er verlangte darin wörtliche Erfüllung der Regel ohnekünstliche Wegdeutung und verbot die Annahme vonPrivilegien seitens der Kurie.
Man versetzte Franziskus zwar unter die Heiligen;aber über seinen letzten Willen schritt man hinweg.Der Orden erhielt eine Menge päpstlicher Privilegien.Bereits 1230 wird die Verbindlichkeit des Testamentsaufgehoben; das Verbot der Geldannahme wird ge-mildert ; das Gebot der Besitzlosigkeit wird zunächstnoch aufrechterhalten. Allein bereits 1245 wird auchdieses in seiner Wirkung aufgehoben, indem man be-stimmte, daß das Eigentum am Besitz der Brüder derrömischen Kirche zustehen solle, der Gebrauch den