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Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum
Kapitalismus fortschritt, eines Kampfes, der sich inner-halb wie außerhalb des Franziskanerordens abspielte.Die ausgezeichnetsten Ordensbrüder, darunter der be-geisterte Sänger der Armut Jacopone da Todi , werdenwegen ihrer nicht zu erschütternden Anhänglichkeitan das Franziskanische Ideal jahrelang im Gefängnisgehalten; andere werden gemartert; ja selbst nachihrem Tode sucht man noch einen Makel auf sie zuwerfen, indem man, wie bei Olivi, ihre Gebeine aus-gräbt und ihre Gräber zerstört; wieder andere, die sichbeim Papste über die Nichtbeobachtung der evangeli-schen Armut beklagen, werden der Inquisition über-geben, vier darunter werden verbrannt, ein andererwird eingemauert, ein anderer in Stock und eiserneFesseln geschlossen; und doch bestand ihrer aller Ver-brechen nur darin, daß sie gepredigt, die Regel desFranziskus sei identisch mit dem Evangelium Christi.Nicht anders ergeht es den außerhalb des Franziskaner -ordens auftretenden Fraticellen und Beginnen. Be-sonders verdient hervorgehoben zu werden der 1321in Narbonne ausgefochtene Streit über die ArmutChristi. Ein Beghine wurde angeklagt, weil er be-hauptet, daß Christus und die Apostel weder gemein-sam noch für sich Eigentum besessen hätten; einerder Richter tritt auf die Seite des Angeklagten; dieFrage wird zu einem Streite zwischen Dominikanernund Franziskanern. Die Dominikaner , um die Vor-stellung zu verbreiten, daß Christus Eigentum be-sessen habe, lassen ihn abbilden, wie er gerade einerGeldbüchse Geld entnimmt, ja sogar mit der einenHand ans Kreuz geheftet, mit der anderen Geld in dieam Gürtel hängende Tasche steckte. Die Franziskaner dagegen sprachen sich 1322 dahin aus, daß die Armutund Besitzlosigkeit Christi katholische und recht-gläubige Lehre sei. Eine Reihe von Gutachten spricht