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sich gegen die Armut Christi aus. Der Papst JohannXXII. schließt sich diesen an. Dem Franziskanerordenaber verleiht er das Eigentum an seinen Gütern, dasbisher der Kirche zustand; die Unterscheidung zwischenEigentum und Nießbrauch sei eine Fiktion, und derVerzicht auf den Besitz trage nichts zur Vollkommen-heit bei. Damit war auch der letzte Rest des Unter-schieds zwischen der Besitzlosigkeit der Franziskaner und der anderen Ordensmönche beseitigt. Der Streitaber dauerte fort, und die Scheiterhaufen rauchtenweiter.
Alvarus Pelagius , der Beichtvater desselben PapstesJohann XXII. , schrieb noch 1332 (De planctu ecclesieI art. 41 lit. G & H. Lugd. 1671) wie die Kirchenvätergeschrieben: Iure nature communis est possessio etcommunis omnium possessio, und wenn einst Petrus von sich gesagt habe, daß er weder Gold noch Silberbesitze, so müßte ein Prälat heute das Gegenteil vonsich sagen. Sein Beichtkind aber gab das Evangeliumvom reichen Jüngling preis, als das wirkliche Lebender Kirche mit ihm in Widerspruch trat; und imFranziskanerorden schritt die Verweltlichung nun un-aufhaltsam fort. Der Bettelorden des heiligen Franzis-kus wurde zu einer Organisation des Bettels zumNutzen der Kirche. Allein so sehr es die Verwaltungdes in der Kirche organisierten Christentums in eineweltliche Organisation mit sich brachte, daß jede zurVerwirklichung der Nachfolge Christi ihr eingegliederteOrganisation alsbald mit verweltlichte, die Lehre desEvangeliums erzeugte immer wieder neue Bekenner.In den Lehren Wiclifs treten uns deutliche Anklängean die Lehren der Kirchenväter entgegen, und richteteer seine Pfeile auch in erster Linie gegen den größtendamaligen Eigentümer, die verweltlichte Kirche, sogingen seine Anhänger doch weiter. Der Priester John