Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum 191
Ball predigte, es werde in England nie gut werden,solange es keine Gütergemeinschaft und solange esleibeigene Bauern und Herren gebe. Und endete diedurch diese Lehren hervorgerufene Bewegung mit einerNiederlage in England , so sollten sie doch bald daraufin Böhmen eine Hussitische Auferstehung erfahren.
Allen den bisher vorgeführten kommunistischen Beweguugen war eines gemein. So sehr sie sich inerster Linie gegen die Kirche richteten, so standen siein der Lehre vom Eigentum doch im Prinzip auf demgleichen Boden wie diese. Hat doch noch der sogenannteletzte Scholastiker, der 1495 gestorbene Gabriel Biel ,geschrieben: Lege naturae omnia sunt Omnibus com-munia . . . Iure humano dicitur haec domus mea: haecvilla mea: hic servus meus est . . . Tolle jura im-peratoris; et quis audet dicere, haec villa mea est . . .Per jura regia possidentur possessiones. Eben weildie hier erwähnten Bewegungen auf dem gleichenprinzipiellen Boden wie die kirchliche Lehre standen,hatten sie sich gegen die Kirche in erster Linie ge-wendet. Diese erschien in erster Linie verpflichtet,das in Matth. XIX gesetzte Ideal zu verwirklichen;sie war am meisten von ihm gewichen. Alle dieseBewegungen wurzelten also auf einem asketischen Ge-danken. Es war eine Art negativer Kommunismus,den sie erstrebten, eine Gemeinsamkeit des Besitzesauf Grundlage des Verzichts auf das Überflüssige, ummittels desselben die Dürftigen über die Not zu erheben.Das änderte sich mit der Reformation. Sie lehrte,daß der Mensch in die Welt gesetzt sei, nicht damiter die Welt fliehe, sondern damit er in der Welt Gott diene; damit trat sie in Widerspruch mit der bisdahin empfohlenen Lossagung von allem Irdischen;das Eigentum an irdischen Gütern, das Streben nachihrem Erwerb und nach dem Reichtum, sowie der