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Handel, erschienen, weil naturgemäß, nunmehr als Be-standteile der von Gott gewollten Ordnung. Damitänderte sich auch der Charakter der kommunistischen Bestrebungen. An die Stelle eines auf Gedanken derAskese beruhenden negativen Kommunismus tritt fort-an ein auf der Weltfreudigkeit beruhender positiverKommunismus. Nicht mehr Verwirklichung des armenLebens erscheint als das Ziel, sondern Gemeinsamkeitdes Genießens der sich bietenden und zu vermehrendenirdischen Güter.
Der prinzipielle Bruch mit der alten Eigentums-lehre erfolgt mit Luther. Während die christlicheLehre im Anschluß an die Auffassung des AltenTestaments von den Kirchenvätern bis zu Gabriel Biel den Kommunismus immer als den dem natürlichen undgöttlichen Hechte entsprechenden Zustand betrachtethatte und das Eigentum nur als ein infolge derSchwäche der menschlichen Natur notwendiges Übel,ist Luther ein entschiedener Gegner des Kommunismus.Die Anziehung des Alten Testaments lehnt er ab unterdem Hinweis auf den Gegensatz des Alten Testaments zum Neuen. Dagegen beruft er sich auch fürs AlteTestament auf Ahraham, der selbst sehr reich an Vieh,Silber und Gold und doch sehr gottselig gewesen, undfürs Neue auf Christus, der selbst Eigentum besessenhabe. Ein gleich entschiedener Verteidiger des Privat-eigentums ist Calvin. Dabei war unter dem Einflußder fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung im15. Jahrhundert in den kontinentalen Ländern nördlichder Alpen das römische Hecht rezipiert worden mitseiner Auffassung vom Eigentum als dem jus utendiet abutendi.
Was war die Folge? Unter dem Druck der wirt-schaftlichen Entwicklung gelangt nun in den re-formierten Ländern, auch wenn sie das römische Recht