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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Zur Genealogie der Angriffe auf das Eigentum

nicht rezipieren, unter dem Einfluß der reformiertenLehre, in den katholischen Ländern unter dem Einflußder Rezeption des römischen Rechts eine neue Auf-fassung vom Eigentum zur Geltung: die Auffassungvom Eigentum als subjektivem Rechte. In der Lehreder katholischen Theologen und ihrer Geistesverwandtenaber bleibt nach wie vor die alte Auffassung, daßnach dem Natur recht der allein normale Zustand derKommunismus sei, daß das Eigentum nichts weiter seials eine infolge des Sündenfalls notwendig gewordeneKonzession an die Schwäche der menschlichen Natur.So z. B. hei Pascal, Bossuet. Der Jesuit Bourdaloue ,der berühmte Kanzelredner des 17. Jahrhunderts,wiederholt in seinen Predigten über den Reichtum undüber das Almosen unter starken Anklängen an die Redeneines Basilius, Ambrosius, Chrysostomus deren Lehrenüber das Eigentum.

Welches aber ist die weitere Entwicklung?

In den reformierten Ländern entstehen im Gegen-satz zu der zur Herrschaft gelangenden Auffassungdes Eigentums als eines subjektiven Rechtes kom-munistische Sekten, wie die Wiedertäufer, die Diggers,die Huterischen Brüder. Namentlich in England er-schien im 17. Jahrhundert eine Anzahl Broschüren,welche alle davon ausgehen, daß von Natur Allen Allesgemein sei. Indem das Sondereigentum entstand, wurdendie Nichtbesitzenden die Sklaven des Eigentümers. DemStaate wird zugemutet, in der einen oler anderenWeise die Produktion und Verteilung der Güter indie Hand zu nehmen. Wie bei den Kirchenvätern derEigentümer nur der Verwalter seines Gutes im In-teresse der Armen sein soll, so erscheint in allen diesenSchriften das Wohlergehen der Armen als der Maßstabbei der Beurteilung sowohl des politischen, als auchdes sozialen und wirtschaftlichen Zustands des Landes.

L. Brentano , Der wirtschaftende Mensch. 13