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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Über Begriff und Wandlungen der Wirtschaftseinheit 275

einer anderen herstellt, gerät sie in Abhängigkeit vonden Marktverhältnissen, und in dem Maße, in demfreie Konkurrenz auf dem Markte eintritt, von demStreben nach dem größtmöglichen Gewinn.

Der auswärtige Absatz ist zuerst ein zufälliger,unregelmäßiger gewesen. Allmählich entstanden regel-mäßige Handelsbeziehungen auf Grund der schon er-wähnten Privilegien und Monopole. Mit dem Auf-kommen des modernen Staates wurden diese Privilegienbeseitigt. Als der moderne Staat sich zu entwickelnbegann, trat er auf als Befreier des Individuums vonmittelalterlicher Gebundenheit im Innern, und nachaußen beseitigte er alle den Ausländern erteilten Vor-rechte zugunsten der freien Entfaltung der Kräfteseiner Staatsangehörigen. Damit trat für die Kauf-leute der verschiedenen Nationen an die Stelle derHerrschaft, welche sie bis dahin auf verschiedenenfremden Märkten geübt hatten, die lebhafteste Kon-kurrenz , nicht nur mit den Kaufleuten fremderNationen und Städte, sondern auch unter Auflösungder alten Gildebande, die sie in gewissem Maße zueiner Wirtschaftseinheit vereint hatten, untereinander.Das letztere hatte sich schon früher angehahnt in demMaße, in dem der auswärtige Handel an Bedeutunggewonnen; ein Zeichen dafür ist der Wegfall derHaftung der Kaufleute einer Stadt für Delikte undSchulden eines der Ihren.

Diese Konkurrenz auf den auswärtigen Märktenübt eine Rückwirkung auf das innere Wirtschaftsleben.Wenn das Streben nach dem größtmöglichen Gewinnden Absatz der Produkte beherrscht, so muß es sichauch bei deren Herstellung geltend machen. So brichtes ein in ein volkswirtschaftliches Gebiet nach demanderen; überall wirkt es auflösend auf das Fort-bestehen der alten Wirtschaftseinheiten; die Mitglieder

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