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derselben machen sich frei von der Gebundenheit, welchediese ihnen bisher auferlegt; Autorität und Herkommenschwinden in der Regelung ihrer Beziehungen zu-einander; an deren Stelle tritt das Streben nach demgrößtmöglichen Gewinn und macht sich geltend nichtnur in der Verteilung, sondern auch in der Bestimmungvon Produktion und Verbrauch der Güter. Sobald diePreise, welche der Kaufmann auf dem auswärtigenMarkt erzielt, durch die Konkurrenz gedrückt werden,ist er nämlich nicht mehr imstande, den heimischenProduzenten die gewohnten Preise zu zahlen. DieProdukte müssen also wohlfeiler produziert werden.Damit fällt die Möglichkeit einer Regelung der Pro-duktion durch Autorität und Herkommen fort; dasStreben, mit den geringstmöglichen Kosten möglichstviel zu erreichen, löst sie ab in der Herrschaft iiherdas Wirtschaftsleben.
Das neue Prinzip macht sich zuerst geltend iminneren Handelsverkehr, ganz besonders in der Regelungdes Darlehens.
Ursprünglich war, wie in den vorstehenden Auf-sätzen wiederholt gesagt worden ist, das Zinsnehmenvom Stammesgenossen bei allen Völkern als Wucherverboten. Im Mittelalter war den Christen das Zins-nehmen vom Christen verboten; gegenüber Anders-gläubigen war es ihnen gestattet und ebenso den Judengegenüber Christen. Allein auch bei den Kaufleutenmuß es mit der eintretenden Entwicklung des Handels-verkehrs geduldet werden.
Sodann finden wir, daß die unter dem Zeichen desStrebens nach dem größtmöglichen Gewinn stehendenKaufleute ihren Handel auf jedwede Gewinn ver-sprechende Ware ausdehnen und damit mit den her-kömmlichen heimischen Ordnungen in Widerspruch ge-raten, welche zur Sicherung der „Nahrung“ das Recht