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wie die Konflikte desselben mit den Griechen denGrund gelegt haben für die Teilnahme der Venezianeram vierten Kreuzzug, und wie sie es verstanden haben,den heiligen Eifer wie die unheilige Erwerbsgier derKreuzfahrer ihrem unbegrenzten Verlangen nach Reich-tum dienstbar zu machen. Nicht das „Geburtsjahr desmodernen Kapitalismus“ ist das Jahr 1204 gewesen,sondern das Jahr, in dem der schon völlig Ausgewachseneeinen Triumph gefeiert hat, wie er in der antiken, wiein der modernen Welt kaum jemals größer gewesen ist 1 ).
Der Fehler Sombarts, daß er die Reichtum an-häufende Kraft des mittelalterlichen Handels bestreitet,hat ihn auch zu einer völlig irrigen Beurteilung desVerhältnisses der italienischen Städte zu ihren Kolo-nien in der Levante geführt.
Es ist allbekannt, daß die Kolonialwirtschaft derPortugiesen, Spanier, Holländer nichts anderes gewesenist als Ausbeutung von Besiegten durch den Sieger,erst durch Gewalt, dann durch Kapital. Auch wirdniemand bestreiten, daß auf Grund solcher Ausbeutunggroßer Reichtum angehäuft, d. li. zur Schaffung derobjektiven Voraussetzung des modernen Kapitalismuswesentlich beigetragen worden ist. Dagegen ist aufslebhafteste zu bestreiten, daß der Gewinn, den dieitalienischen Städte aus dem Handel mit ihren Kolonien
0 Die gleiche Bedeutung wie für die frühe Blüte der italieni-schen hat der Handel für die der nördlich der Alpen gelegenenStädte gehabt. So hat London sein Aufblühen lediglich seinergünstigen Lage für den Handel verdankt. Schon in angel-sächsischer Zeit war der Portgereefe sein oberster Magistrat. Anihn richtet sich der Freibrief, den Wilhelm der Eroberer denBürgern von London erteilt hat. Zur Zeit von Richard Löwenherz ,also vor 1204, war Londons Reichtum so groß, daß Richard sagte,er würde es gern verkaufen, wenn er Jemand fände, der es be-zahlen könnte.