Handel und Kapitalismus 329
in der Levante gezogen haben, ans solcher Ausbeutunggeflossen sei.
Sombart unterscheidet verschiedene Methoden kolo-nialer Ausplünderung. Als erste nennt er den kolo-nialen Handel. Darunter versteht er l ) ein kunstvollesVerfahren, wehrlosen Völkerschaften mit List undGewalt auf dem Wege einer scheinbar freiwilligenTauschhandlnng möglichst unentgeltlich Wertobjekteabzunehmen. Ganz richtig; so ist das Verhalten dersog. zivilisierten Völker im Handel mit Naturvölkernbis zum heutigen Tag. Damit eine solche Ausplünderungaber stattfinden könne, ist die erste Voraussetzung, daßderartige Naturvölker vorhanden seien. Nun hebt aberSombart selbst hervor, daß im Mittelalter den West-europäern nur die Russen als ein solches auszubeutendesVolk verfügbar gewesen seien. Da er somit denitalienischen Städten keinen kolonialen Handel, wie erihn allein kennt, zuschreiben kann, andererseits aberbestreitet, daß Handel anderer Art Reichtum bringe,muß er für sie eine zweite Methode kolonialer Aus-plünderung behaupten. „Systematische Ausbeutungder Mittelmeer Völker mittelst Zwangsarbeitbildet das Fundamentum, auf dem sich die MachtstellungVenedigs und Genuas erhebt, woneben das bißchen„Levantehandel “ eine quantite negligeable ist 2 ).“ Dassei bisher verkannt worden. Es ist aber ein völligunstatthaftes Mittel, das er anwendet, um für seineNeuerung Zustimmung zu finden. Er behandelt dieitalienischen Kommunen in den Kreuzfahrerstaaten,als ob sie und der übrige Kolonialbesitz italienischerStädte in der Levante etwas Gleichartiges wären. Vonbeiden behauptet er: „Es wäre durchaus verkehrt,
*) Der moderne Kapitalismus, I 326.
2 ) Der moderne Kapitalismus, I 332.