Handel und Kapitalismus
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in akkumulierter städtiscker Grundrente, wie Sombart will l ), sondern im Handelsgewinn seinen Ursprunghatte, daß es sich erübrigt, darüber noch ein "Wort zuverlieren. Bis um die Mitte des 9. Jahrhunderts wares noch abhängig von Byzanz; von da ab war es eineselbständige Republik. Die Existenz ihrer Bewohnerhat von Anbeginn auf dem Wasser gelegen. DenHauptgewinn hat ihnen der Zwischenhandel gebrachtzwischern Byzantinern und Arabern und zwischenByzantinern, Arabern und den abendländischen Großen.In allen ihren Handelsbeziehungen haben es die Vene-zianer frühzeitig verstanden, sich gewinnbringendePrivilegien zu sichern. In Byzanz genossen sie ver-möge eines Privilegs vom Jahre 992 allein unter allenKaufleuten den niedrigen Zollsatz von 2 °/ 0 für dieEinfuhr und 15 °/ 0 für die Ausfuhr. Außerdem genossensie allerlei Vorrechte zum Schutze gegen Beamten-willkür. Auch wurde damals bestimmt, daß die vene-zianischen Schiffe nie ohne Not mehr als drei Tagezurückgehalten werden dürften, wenn sie nach Hausefahren wollten. Dafür mußten die Venezianer ver-sprechen, zum Übersetzen griechischer Heere nachItalien jederzeit ihre Schiffe zu stellen 2 ). Aber nochweit bedeutsamer war die völlige Handelsfreiheit, diesie bei dem Angriff' von Robert Guiscard auf dasgriechische Reich im Jahre 1081 von Kaiser Alexius I. er-langten. Ich habe in der VIII. Abhcndlung erzählt, wie ausdiesen und anderen den Venezianern erteilten Handels-privilegien eine venezianische Kolonie in Konstaninopel,ein kleiner Staat im Staate, herangewachsen ist, und
b Der moderne Kapitalismus, I 315ff. Vgl. dagegen Heynena. a. 0. besonders S. 18 ff.
a ) Wilhelm H e y d, Geschichte des Levantehandels im Mittel-alter. 1 127 ff.