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die Auflösung der gesamten mittelalterlichen Gesell-schaftsordnung ihren Anfang“.
Und dann hin ich zur Beantwortung der Fragegeschritten, in welcher Weise die Emanzipation desökonomischen Denkens von der überkommenen Lehrevom Seinsollenden stattgefunden hat. Ich habe aus-geführt, daß eine heidnische Emanzipation und einesolche auf christlicher Grundlage zu unterscheiden sei.Beiden gemein sei das Zurückgreifen auf das Ursprüng-liche gegenüber dem Überkommenen, und beide hättenin erster Linie nichts mit wirtschaftlichen Dingen unddem ökonomischen Denken zu tun. Aber der Einflußbeider sei so tiefgreifend gewesen, daß er auch in derWelt des Wirtschaftslebens sich fühlbar gemacht habe.
Die heidnische Emanzipation hat in Italien be-gonnen. Seit dem Aufblühen des Handels im Gefolgeder Kreuzzüge ist sie dort allmählich herangereift.Der, welcher diese gesamte Geistesentswicklung ge-wissermaßen einheitlich geordnet hat, ist Macchiavelligewesen. Bei ihm ein geflissentliches Absehen vonvorgefaßten ethischen Urteilen. Er hat, wie Baconsich ausgedrückt hat, offen und ohne jede Heucheleigesagt, wie die Menschen zu handeln pflegen, nichtwie sie handeln sollen. Dabei ist er zu einem Menschengelangt, der sein eigenes Selbst zum Mittelpunkt desUniversums macht. Egoismus ist die stärkste Trieb-feder seines Handelns. Alle Bande der Pflicht zerreißter bei jeder Aussicht auf eigenen Vorteil. Dabei istdieser Egoismus wesentlich wirtschaftlicher Natur.Der Mensch, sagt Macchiavelli, verzeiht eher den Todseines Vaters als den Verlust seines Vermögens. Unddieser Mensch ist ihm der Mensch. Und so richtighat Macchiavelli die in Italien das Handeln beherrschen-den Anschauungen erkannt, daß selbst der erste großeBekämpfer Macchiavellis, Kardinal Pole, den Ausspruch