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Der wirtschaftende Mensch in der Geschichte : gesammelte Reden und Aufsätze / von Lujo Brentano
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Puritanismus und Kapitalismus

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tat, daß je mehr einer sein Privatleben dem LebenChristi anpasse, um so ungeeigneter sei er nach demUrteil der Menschen zur Regierung, und PapstClemens VII . den Ausspruch tat: Chi va bonamentevien trata da bestia (wer auf ehrliche Weise zu Werkgeht, wird als Schafskopf behandelt).

Die Emanzipation auf christlicher Grundlage isterfolgt im Gefolge der Reformation. Die Reformatorenlehrten, daß der Mensch in die Weit gesetzt sei, nichtdamit er die Welt fliehe, sondern in der Welt Gott diene. Außerdem hat sie jeden Einzelnen in seinemVerhältnis zu Gott auf sich gestellt. Die erstere Lehretrat in Widerspruch zu der bis dahin empfohlenenLossagung von allem Irdischen; das Eigentum anirdischen Gütern, das Streben nach ihrem Erwerb undnach Reichtum, sowie der Handel, weil naturnotwendig,erschienen als Bestandteile der von Gott gewolltenOrdnung; ja selbst das Zinsnehmen wurde nunmehrgerechtfertigt. Die zweite Lehre hat notwendig aufdie Selbständigkeit des Einzelnen auf allen Gebietenzurückgewirkt. Als das Wichtigste aber habe ich denEinfluß Calvins bezeichnet und als von weittragendsterBedeutung die Entwicklung des englischen Independen-tismus , der äußersten Entwicklung des religiösenIndividualismus. Nachdem aber in den Siegen Cromwells die sittlichen Ideen der Reform über den heidnischenMaccliiavellismus Karls I. triumphiert hatten, habe ichausgeführt, hat der Sieg der Independenten aufs neuedie Unmöglichkeit gezeigt, von vorgefaßten ethischenAnschauungen aus die wirtschaftlichen und politischenDinge der Welt zu meistern. Die Calvinistische Auf-fassung, von welcher die Independenten beherrscht ge-wesen, hat alle opportunistische Anpassung an die sichfortentwickelnden Verhältnisse ausgeschlossen. DieFolge ist gewesen, daß Crom well das sogenannte

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