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Lidice : Roman
Entstehung
Seite
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Er sucht. Er hat gefunden:Weil der Fuehrer immer rechthat.

Professor Napil:Auch hier unter vier Augen?

Neurath: "Ich bin ein Deutscher.

Professor Napil:Daher zur Raserei verpflichtet. Ichbedaure meine armen Landsleute mehr als die Ihren. Siepersoenlich haben mein Mitgefuehl.

Neurath:Wenig Ursache, lieber Napil.

Professor Napil:Fuer Sie, den gebildeten Mann, wares keine Kleinigkeit, unsere Prager Universitaet zu schlies-sen. Die Demonstrationen der jungen Leute konnten na-tuerlich nur zunehmen.

Neurath, schweigt.

Professor Napil:Nachher gestanden Sie ein, was Sieanders nicht zugeben durften, Sie besuchten meine priva-ten Vorlesungen.

Neurath:Was war noch zu verlieren?

Professor Napil: "In der Tat. Die erste dieser Kleinig-keiten bedingt schon die naechste. Als Sie, Neurath, mirverboten, unsere volkstuemlichste Oper zu spielen-."

Neurath: "Und als Sie, Napil, die Leitung des Natio-naltheaters niederlegten-.

Professor Napil:Da begann eigentlich der Schrecken.Oh! es erscheint unbedeutend, eine Oper zu verbieten.Die Leute werden von der Buehne nicht laenger hoeren,was in ihren Herzen klingt. Die Kinder kann man ohnesichtbaren Nachteil anhalten, das A B C in einer fremdenAussprache herzusagen. Mit ungeheurer Folgerichtigkeit aberwerden eines Tages die nackten Getoeteten daliegen, undunseren Frauen wird handgreiflich bewiesen, dass sie dasABC deutsch aufsagen, nein, dass sie in das Blut stei-gen muessen!

Neurath:Als vorhin die Nachricht eintraf, sahen Sie

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