Rueckwaerts nach Hauptmann Krach: “Ist er immer so?”
Hauptmann Krach: “Zu Befehl, ein Komiker privat.”
Milo Schatzova, nervoes: “Wenn wir die Szene abbrae-chen?” Gegen Wokurka: “Nachdem du sie einmal gestoerthast.”
Wokurka: "Ich stoere, dafuer bin ich da. Mich hat dieDirektion engagiert, auf dass ich dazwischentrete, sobaldeine Szene sich auszuwachsen droht — ins Heldenhafte, insTragische, in die heulende Unnatur. Da kommt der Wo-kurka heraus und spielt alle an die Wand.”
Heydrich , gehorcht dem diktatorischen Tonfall des Ko-mikers, er lehnt sich tatsaechlich an die Wand.
Wokurka, in der Mitte, zeigt sich von allen Seiten:“Geruhen der gewaltige Herr, mein Kleid zu betrachten,ein franzoesisches Sportkostuem, ich trug es in der Rolledes Topaze, als er aus einem Moralpauker ein Ueber-mensch und Schweinehund wird. Nicht, dass ich an dieserStelle provozieren und sabotieren wollte mit dem franzoe-sischen Schweinehund, das sei fern von mir. Es verstiessegegen alle meine Grundsaetze. Aber in dem Gewand, wieich da stehe, bin ich dem Oberst Redl begegnet.”
Milo Schatzova: “Hoer’ auf. Der war laengst vor dir.”
Wokurka, unbeirrt: “Er laeuft mir in die Arme aufder steilen Stiege vom Hotel Klomser, dieselbe Nacht alser sich erschiessen ging. Er vertraut sich mir an, weil icheh nur der Wokurka bin und er der grosse Verraeter, derdie militaerischen Geheimnisse der oesterreichisch-ungari-schen Monarchie an den Feind verkauft hat. Eine solcheEhrlosigkeit! Ich stell’ ihm vor, Herr Oberst, geschehen istgeschehen, Ihr uebertriebener Selbstmord rettet die Mo-narchie nicht mehr. Jetzt alsdann trinken wir ein Pilsner,und mit dem Fruehzug verreisen Sie nach dem Ausland.”
Hauptmann Krach: “Er hat sich doch erschossen.”
Wokurka: “Aber eine halbe Stunde hat er geschwankt.
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