Druckschrift 
Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

3

allgemeine Funktionen für große Gesamtheiten von Monschen liegtbezüglich des Geldes mehr fernab, und es mag auch für Viele etwasBefremdliches bleiben, dass man von Vorteilen, Nachteilen undsonstigen Folgen des Geldgebrauches sprechen könne, gleichviel, obder Einzelne Geld habe oder nicht, und wie groß sein Besitztum anGeld sei. Ebenso mag ja aber auch den Zeitgenossen ein Zustanddes Wirtschaftslebens ohne Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telegraphenwohl wie etwas Fremdartiges, Seltsames erscheinen, er wird jedochsofort in der Hauptsache richtig gewürdigt werden. Dagegen müssenw r ir in die Vorstellung von einem Wirtschaftsleben ohne Geld-Gc brauch, weil Nirgend wer Geld hat und Geld bekommt oderGeld giebt, uns erst besondershincinarbeiten, und wir gewahrendann weithinführende Zusammenhänge, von welchen wir bei derersten Betrachtung dieser oder jener einzelnen unmittelbar vorfind-lichen Thatsache keine Ahnung hatten. Mag sich jedoch auch inder That hier die ausgiebige Einsicht erst nach der Gesamtbetrach-tung der unterschiedlichen Funktionen des Geldes für das vergesell-schaftete und staatlich geordnete Wirtschaftsleben der Menschen er-warten lassen, so können wir doch in dem nächstfolgenden Ausblickauf thatsächliche Zustände eines Wirtschaftslebens ohne Geld-gebrauch das Erwachsen eines Bedürfnisses nach Geldgebrauchschon bezüglich solcher Nutzwirkungen desselben vorweisen, welchein den bisherigen Erörterungen über das allgemeine Wesen desGeldes regelmäßig in Betracht gekommen sind.

Ein Bedürfnis nach Gcldgebrauch ist nicht vorfindlich, wo undso lange menschliche Familien eine Haushaltung geführt haben oderführen werden, in welcher sie nur solche wirtschaftliche Güterokkupiren oder produziren, welche sie selbst ge- oder verbrauchenw r ollen, und nur solche Güter konsumiren, welche sie selbst produ-ziert haben. Der Ansiedler, welcher die selbstgebaute Blockhüttebewohnt, Nähr- und Saatfrucht selbst gezogen hat, Wildpret undTierfelle für seinen Bedarf sich selbst beschafft u. s. w., kann inaller seiner Thätigkeit für die Befriedigung wirtschaftlicher Bedürf-nisse jeder Vorstellung eines Geldgebrauches fern bleiben. DasselbeVerhältnis kann noch vorfindlich sein, auch wenn solche Einzeln-haushaltungen (wie dies auf dem nächstfolgenden Entwicklungs-

1 *